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12. April 2010

Der Medienspiegel: Stade Nyonnais - FC Vaduz 1:0


Philipp Kolb schreibt im Liechtensteiner Vaterland:

Selbst gegen Stade Nyonnais kann Vaduz nicht siegen

Der freie Fall des FC Vaduz geht weiter: Am Samstag in Nyon erhöhte sich die Zahl der Spiele ohne Sieg in Folge auf sieben. Mit einer 1:0- Niederlage kehrten die Liechtenteiner aus dem fast 400 Kilometer entfernten Nyon zurück und finden sich neu im Abstiegskampf wieder.

Trainer Pierre Littbarski versuchte in seiner Analyse nach der Partie das Positive herauszufiltern. Auch vom Abstiegskampf will er nichts wissen. «Wir dürfen jetzt nicht auf Schwarzmalen machen», erklärte er Minuten nach dem Schlusspfiff in Nyon. Die Realität sieht anders aus.

Der FC Vaduz ist das schlechteste Challenge Leagueteam der Rückrunde trotz der besten finanziellen Möglichkeiten. Sieben Spiele in Folge konnten sich die Vaduzer Fans nicht mehr über einen Vollerfolg freuen und die Konkurrenz am Tabellenende schläft nicht. Der Punktevorsprung aus der Vorrunde schrumpft kontinuierlich. Zudem spielen die Vaduzer am Donnerstag gegen das starke Thun. In der jetztigen Verfassung wäre dort ein Punktegewinn eine grosse Überraschung.

Pech an den Schuhen
Im Spiel vom Samstag gegen Nyon passte erneut nicht viel zusammen. Positiv ist der Einsatz und das Engagement der Vaduzer. Man wollte, konnte aber nicht. Ein Eckenverhältnis von 11:4 zeigt, dass die Vaduzer Druck machten – gefährliche und damit auch verdiente Sieger waren schliesslich die Romands aus Nyon.

Die Westschweizer konnten bereits nach 14 Minuten in Führung gehen und sich in der Folge auf das Verteidigen des Vorsprungs konzentrieren. Nyon versuchte in der Folge sein Glück mit Kontern aus einer gesicherten Defensive heraus – ein Spiel, dass den Vaduzern nicht wirklich liegt. Dennoch: Kurz vor der Pause erhielten die Vaduzer zum Erstaunen der Zuschauer in Nyon einen Penalty zugesprochen. Ein günstiger Moment kurz vor der Pause, um auszugleichen, dachte sich wohl auch der «Torminator» Nick Proschwitz. Der sonst sichere Penaltyschütze zeigte allerdings Nerven. Sein Schieber in die rechte untere Torecke war zu schwach getreten. Nyons Keeper jubelte und avancierte dank dieses vereitelten Ausgleichs zum Matchwinner bei den Romands.

Das Auslassen dieser Möglichkeit war ein weiterer harter Schlag ins Gesicht eines bereits verunsicherten, am Boden liegenden Vaduz. Nervosität machte sich in der zweiten Halbzeit breit. Man durfte doch nicht schon wieder verlieren und dann noch gegen einen Aufsteiger. Die Summe vieler kleinerer Defizite machte in der Folge ein erfolgreiches Aufbäumen der Vaduzer zunichte: Da war zum Beispiel ein Kai Koitka, der immer so lange mit einem Abspiel wartete, bis sein Mitspieler von mehreren Gegenspielern umringt war. Oder ein Steil, der zwei Köpfe grösser als sein Gegner ist und sich dennoch in mehreren Kopfballduellen den Ball nehmen lässt.

Oder auch ein Burgmeier, der zwar rackerte und auch mal drei Gegenspieler stehen liess, den abschliessenden Pass zum Mitspieler aber doch nicht an den Mann brachte, sich fünf Minuten vor Schluss auch noch die Rote Karte einheimste und damit gegen Thun fehlen wird. Captain Stuckmann erklärte nach der Partie: «Das Pech klebt uns an den Schuhen. Wenns nicht läuft, läufts nicht. Das alle hilft aber nichts. Wir müssen gegen Thun eine Reaktion zeigen.» Weniger gesprächig gab sich Abwehrspieler Martin Rechsteiner. Trotz seiner individuell guten Leistung kam er zum gleichen Schluss wie Stuckmann.

Die beste Chance in der zweiten Halbzeit hatten im Übrigen die Romands. Mehdi Challendes, der Sohn von FCZ-Trainer Bernard Challendes, knallte in der 66. Minute einen Ball in Richtung Lattenkreuz. Jehle, der ebenfalls stark spielte und zum Beispiel in der 74. Minute gleich zweimal ausserhalb des Strafraums intervenieren musste, wäre bei diesem Schuss chancenlos gewesen. Latte und Pfosten des Torkreuzes verhinderten das 2:0.

Littbarskis Stuhl wackelt
Nach dieser weiteren Niederlage wackelt Trainer Littbarskis Stuhl gewaltig. Die Wahrscheinlichkeit einer Freistellung noch vor Ende der Saison wird immer realer. Noch können die Vaduzer bis Ende Saison 18 Punkte erkämpfen. In der jetzigen Rückrundenverfassung (neun Spiele – fünf Punkte) werden sich aber wohl mehr die hinter Vaduz klassierten Vereine über Punkte freuen. Eine beängstigende Situation, die nicht unterschätzt werden darf. Gut möglich, dass Trainer Littbarski bereits am Donnerstag gegen Thun nicht mehr an der Seitenlinie amten wird. 

Tobias Hämmerle schreibt im Liechtensteiner Volksblatt: 

Im Fahrwasser nach unten

Beim FC Vaduz geht es seit sieben Spielen nur in eine Richtung - nach unten. Die Auswärtspleite in der Westschweiz bei Nyon war das siebte Spiel in Folge ohne Sieg für die Littbarski-Elf.
Torchancen - Fehlanzeige, Spielwitz - Fehlanzeige, nur der Kampf der FCV-Kicker war aufopfernd. Alleine langt er aber eben selbst in der Challenge League nicht, das wissen die Residenzler seit ein paar Wochen, als sie sich aus dem Aufstiegsrennen verabschiedeten. Was dabei völlig fehlte, war die spielerische Note in der Komposition von Vaduz-Trainer Pierre Littbarski und seiner Elf.
Als der Schiedsrichter im Centre sportiv de Colovray anpfiff, sassen die Rothosen noch im Bus, zumindest in Gedanken. Denn auf dem Platz präsent war zu Beginn nur ein Team: Das abstiegsgefährdete Stade Nyonnaise. Das sah auch Littbarski so: «Wir haben in der ersten halben Stunde keinen Rhythmus gefunden, dem Gegner zu viele Chancen ermöglicht.» Daraus resultierte auch der Siegtreffer in der 14. Minute von Besseyre, der von der herausrückenden FCV-Abwehr vergessen wurde. Und bezeichnend, dass auch der ansonsten souveräne Peter Jehle im Vaduz-Gehäuse zu spät kam, als er aus seinem Kasten eilte.

Proschwitz verschiesst Penalty
In der Folge zog sich Nyon zurück, überliess dem FC Vaduz das Spielgeschehen. Vaduz hatte nun eindeutig mehr Spielanteile, aber keine eindeutigen Einschussmöglichkeiten. Nyon tiefstehend und gut organisiert, Vaduz fehlten die spielerischen Mittel. Es war eines dieser Vaduz-Spiel «in dem eine Initialzündung alles auf den Kopf hätte stellen können», meinte Kapitän Michael Stuckmann nach dem Spiel. Dies dachte sich auch Schiedsrichter Patrick Winter und zeigte für viele im Stadion verwunderlich in der 44. Minute auf den Elferpunkt. Eine klare Sache: Nick Proschwitz, 1:1, danke. Falsch gedacht! Der Liga-Topscorer schob das Leder ins rechte untere Eck. Warpelin im Tor der Westschweizer pariert und schickt damit die Vaduz-Spieler mit hängenden Köpfen in die Kabine.Unverändert kamen beide Teams aus den Katakomben. Verändert war lediglich das Spielgeschehen. Der Druck, den sich Burgmeier und Co. mühevoll aufgebaut hatten, war nach Seitenwechsel kaum noch zu spüren. Obwohl der FCV einen um den anderen Eckball herausholte, lag das 2:0 für die Hausherren mehr in der Luft, dann der Ausgleichstreffer. Mit teilweise schön vorgetragenen Kontern stichelten die Westschweizer immer wieder Richtung Peter Jehle. Bei solch einem stand in der 65. Minute das Glück für einmal auf der Liechtensteiner Seite. Mehdi Challandes, Sohn von FC-Zürich-Trainer Bernard Challandes, war das Ende einer schönen Ballstafette. Er zirkelte aus gut 20 Metern das Leder in das lange Kreuzeck. Doch der Torjubel blieb den Westschweizern im Halse stecken. Der Ball schaute schon hinter die Torlinie, überlegte es sich aber doch anders und prallte von der Latte zum Pfosten und wieder zurück ins Feld - spektakulär.

Burgmeier setzt Schlusspunkt
Das lang ersehnte Aufbäumen fand zehn Minuten vor Spielende endlich statt. Auf eine falsche Art allerdings. Erst hatte Steil den gelben Karton unter der Nase, er liess seinen Frust verbal am Spielleiter aus. Dann setzte Franz Burgmeier einen unrühmlichen Schlusspunkt. Mit einer Frustgrätsche von hinten und der Roten Karte ging er fünf Minuten früher als gedacht unter die Dusche.
Es wird nicht einfach sein für Pierre Littbarski, seine Jungs für die nächsten Partien wieder aufzurichten. «Jetzt haben wir zwei schwere Spiele vor uns, aber die Unterstützung unserer Fans hinter uns», meinte der Deutsche. Kapitän Stuckmann spricht davon, «viel an Kredit bei den FCV-Fans zurückholen zu wollen im Spiel gegen Thun».
Die Vaduzer sind gut beraten, das auch zu tun, denn wird das Punktekonto nicht schleunigst aufgestockt, heisst es schneller als gedacht: «Willkommen im Abstiegskampf!»


FC Vaduz, PO Box 158, 9490 Vaduz, Fürstentum of Liechtenstein, Phone +423 375 18 00, Fax +423 375 18 09, info@fcvaduz.li
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