22. March 2010
Der Medienspiegel: FC Lausanne-Sport - FC Vaduz 2:2
Ernst Hasler schreibt im Liechtensteiner Vaterland:
Ritzberger rettet Punktgewinn
Zwei Gesichter präsentierte der FC Vaduz im Auswärtsspiel in Lausanne. Letztlich musste er froh sein, ein 2:2 (1:0)-Remis ins Trockene gebracht zu haben.
Hélin (19.) und Rodrigo (56.) hatten Lausanne Sports 2:0 in Front geschossen, Innenverteidiger Marco Ritzberger, der in der bisherigen Saison oft unten durch musste, gelang ein Doppelpack (76. / 80.); er sicherte dem FCV einen Punkt nach zwei Standardsituationen, die ansonsten nur mangelhaft waren.
Lange Zeit lebte die Partie vom Kampfgeist. Lausanne dominierte dank Zielstrebigkeit über weite Strecken und musste sich zuletzt ärgern, dass es nach der 2:0-Führung nur noch verwaltete, statt weiterhin die Offensive zu suchen. Beim FCV war der Raumgewinn ungenügend, die Ideen in der Offensive fehlten und die Angriffe sind zu umständlich vorgetragen worden. «Es ist auffällig bei unseren Auswärtsspielen. Wenn der Gegner körperlich sehr präsent ist, sind wir nicht imstande, dagegenzuhalten », analysierte FCV-Trainer Pierre Littbarski treffend.
Ein Tor und sonst nur Mittelmass
Lausanne fand besser ins Spiel und deshalb kam der 1:0-Führungstreffer nicht überraschend. Einen lang gezogenen Ball an die Strafraumgrenze verlängerte Tosi per Kopf auf Hélin, der Torhüter Deana mit einem Heber überlistete. Zuvor war der Gastgeber das aktivere Team, liess Mann und Ball laufen und kreierte die zwingenderen Chancen als der FCV. Es war dem FCV-Keeper zu verdanken, dass der Rückstand nicht höher ausfiel: Dreimal klärte er gegen Hélin (1. / 9. / 41.) exzellent. Einmal zielte Madou zu hoch (13.) und Rodrigo setzte einen Kopfball über den Kasten (41.). Obwohl der FCV mit Stuckmann als «Sechser» mit einem 4-1-4-1-System agierte, konnte er sich erst nach rund 25 Minuten etwas besser entfalten, doch zwingende Möglichkeiten fehlten lange Zeit. Cerrone hätte aus einem Kopfball mehr machen müssen (8.), ein Büchel-Schrägschuss fiel zu harmlos aus (17.) und Proschwitz köpfelte das Leder in die Arme von Torhüter Favre (26.).
Nach dem 2:0 kam eine Reaktion
Zu Beginn der zweiten Halbzeit dominierte weiterhin der Gastgeber. Hélin brachte das Kunststück zustande, einen Pimenta-Querpass aus vier Metern neben das Tor zu setzen (48.), und einen Kopfball aus sechs Metern übers Tor zu setzen (50.). Das 2:0 war die logische Folge. Pimenta fand im Abwehrzentrum Rodrigo, der zwischen Steil und Ritzberger einköpfelte (2:0); niemand der zwei Innenverteidiger fühlte sich verantwortlich. «Das war ein Stellungsfehler», urteilte Littbarski. Danach ging ein Ruck durch das FCV-Ensemble. Steils Kopfball landete in den Armen von Favre (58.) an der linken Hand aus, konnte jedoch die Partie zu Ende spielen.
Littbarski: «Moral hat gepasst»
«Erste Halbzeit pfui, zweite Halbzeit hui», urteilte FCV-Trainer Littbarski. «In der zweiten Halbzeit kamen wir zurück. Die Moral hat gepasst, denn nach dem 2:0 war im Zentrum auch spielerisch etwas zu sehen. Wir kombinierten über Burgmeier und Sutter gut. Darauf lässt sich aufbauen, denn zu jenem Zeitpunkt war unsere körperliche Präsenz gut; Lausanne war am Ende seiner Kräfte. Das erwarte ich in jedem Spiel, dann werden wir die Punkte einfahren», so Littbarski.
Soos: «Sieg vergeben»
«Ich kann mit dem einen Punkt nicht zufrieden sein, denn nach dem 2:0 hätten wir den Sieg sicher nach Hause bringen müssen», erklärte Lausannes neuerTrainerArpad Soos. «Wir besassen ein, zwei gute Möglichkeiten, doch Vaduz ist stark im Kopfballspiel», urteilte Soos. «Es war schon hart, dass uns der Sieg entglitt, doch musste ich einige Spieler schonen. Hénin und Rodrigo musste ich auswechseln», so Arpad Soos, der überzeugt ist, dass sich seinTeam keineswegs zu sicher gefühlt hatte. «Vaduz ist im Kopfballspiel stark und damit hatten wir unsere Probleme.» Traurig sei er nicht: «Schliesslich hat mein Team einen guten Kampfgeist gezeigt.Wir zeigten 70 Minuten ein gutes Spiel.»
Jan Stärker schreibt im Liechtensteiner Volksblatt:
Tolle Moral in Lausanne
Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. So könnte man das 2:2 des FC Vaduz bei Lausanne Sports einordnen. Dennoch muss man der Littbarski-Truppe ein Kompliment für die gezeigte Moral machen.
Denn als Lausanne-Regisseur Tosi in der 56. Minute das 2:0 für die Gastgeber erzielte, dachte wohl niemand im Stadion mehr, dass Vaduz noch einmal zurückkommt. Aber die Mannschaft steckte nicht auf und holte wenigstens noch einen Punkt am Genfer See. Doch, trotz der Niederlage von Lugano am Freitag im Tessiner Derby bei Locarno (2:3), um noch einmal richtig in den Aufstiegskampf einzugreifen, ist der eine Zähler eindeutig zu wenig.
«Leider sind wir ganz schlecht ins Spiel gestartet und haben die erste Halbzeit verschlafen. Deshalb sind wir verdient mit 2:0 in Rückstand geraten», ärgerte sich Routinier Bruno Sutter. «Wir sind nach Lausanne gefahren, um drei Punkte zu holen. Momentan helfen uns nur Siege - das haben wir nicht geschafft. Aber trotzdem tolle Moral bewiesen, das sollte uns für die kommenden Spiele Selbstvertrauen geben.»
Gerechte Punkteteilung
Vor allem hat es endlich einmal mit stehenden Bällen geklappt. Einmal Ecke Sutter und Kopfball Ritzberger, dann Freistoss-Flanke Sutter und Kopfball Ritzberger innerhalb von drei Minuten sorgten doch noch für den am Ende verdienten Ausgleich. Verdient deswegen, da der FCV auch nach dem 0:2 nie aufsteckte und weiter versuchte das Spiel zu drehen und nach dem Ausgleich noch zwei richtig gute Chancen zum Sieg hatte.
Individuelle Fehler
«Das ist mein erster Doppelpack überhaupt», strahlte Marco Ritzberger. Und der Nationalspieler dankte auch Vorlagengeber Sutter. «Vor allem wenn Bruno die Ecken und Freistösse schiesst, sind die immer gefährlich. In dem Stadion habe ich früher schon einmal getroffen. Aber: Unter dem Strich ist auch der eine Punkt, trotz meiner beiden Tore, zu wenig. Ich kann mir das auch nicht erklären, dass wir die erste Halbzeit total verschlafen haben, da wir eine gute Vorbereitung hatten und gut auf das Spiel eingestellt waren.»
Doch trotz des Ärgers über nur einen Punkt war die tolle Moral das Positive in der Westschweiz. «Die Jungs haben nie aufgegeben und den Punkt am Ende aber auch verdient», erklärt Teamchef Pierre Littbarski. Und Ritzberger fügt an: «Man hat gesehen, was wir, trotz einiger Fehler und der schwachen ersten Halbzeit, als Mannschaft erreichen können. Jetzt wollen wir in den nächsten Spielen eine Siegesserie hinlegen um vielleicht doch noch oben ranzukommen.»
Littbarski weiss aber auch, dass trotz des «Teil-Happyends» die individuellen Fehler seiner Mannschaft zu reden geben werden. «Gerade über das Defensivverhalten müssen wir reden», ärgert sich der Weltmeister von 1990 über die leichten Gegentore. «Bei all den tollen Sachen in der zweiten Halbzeit und der gezeigten Moral dürfen wir nicht so viele Fehler machen. Aber das Gute war, das wir endlich Spieler auf dem Platz hatten, die den Ball haben wollten.»
Für Pascal Cerrone war neben der tollen FCV-Moral aber auch die Auswechslung von Lausannes Tosi ausschlaggebend. «Ich denke, dass der Trainer von Lausanne falsch gewechselt hat», grinste Cerry. «Den hätte ich nicht rausgenommen, denn er war immer brandgefährlich.»