17. Mai 2010
Der Medienspiegel: FC Lugano - FC Vaduz 1:1
Ernst Hasler schreibt im Liechtensteiner Vaterland:
FCV verdirbt Lugano die Party
7700 Fans waren ins «Stadio Cornaredo» geströmt, um die Rückkehr des FC Lugano ins Oberhaus zu feiern, doch der FC Vaduz holte sich mit Glück und Geschick ein 1:1 (0:1)-Remis. Da Thun gleichzeitig siegte, kehren die Berner in die Super League zurück.
Pascal Cerrone liess die Fans der Luganesi erstarren, als er das 0:1 erzielte (28.). Da Silva gelang mittels Foulpenalty nur noch das 1:1 (58.). Schliesslich entschieden die Nerven gegen den Aufstiegsaspiranten, der nach acht Heimsiegen in Folge erstmals wieder strauchelte. Die Tessiner Offensive scheiterte mehrmals am glänzend disponierten Peter Jehle und zeigte letztlich Nerven. Kombinierte nach dem 1:1 nicht mehr gefällig und musste dem FCV zahlreiche Konter zugestehen, die er allerdings schlecht fuhr. Dem FCV war der Kräfteverschleiss – sie mussten innert 46 Stunden nach den 120 Minuten im Cupfinale wieder ran – kaum anzuspüren. Die Liechtensteiner wirkten gelöst, hatten nichts zu verlieren und hielten bis zuletzt die defensive Ordnung.
Führung entgegen dem Spielverlauf
Obwohl der FCV in den ersten 25 Minuten nahezu erdrückt wurde, ging er entgegen dem Spielverlauf in Front: Proschwitz setzte sich gegen Portillo durch, bediente Sutter, der Cerrone in die Tiefe anspielte: Cerrone behielt die Nerven und hob den Ball aus sechs Metern ins linke, obere Eck (0:1).
In der Startphase hatte sich zuvor ein Einbahnspiel Richtung Jehle entwickelt, denn Lugano entwickelte enormen Druck und suchte ein rasches Tor. Es war Torhüter Peter Jehle zu verdanken, dass die Null zur Halbzeit stand. Zuerst wehrte er nach dem ersten Eckball gleich mehrmals gegen Luganesi-Angreifer ab (4.). Danach lief Renfer aus Abseitsposition auf ihn zu, doch Jehle stoppte den Goalgetter (5.). Auch Silvio (23.) sowie Da Silva (25. / 27.) konnten Jehle nicht überwinden. Nach dem 0:1 ging der Schwung der Tessiner etwas verloren, dennoch musste Jehle nochmals zweimal in extremis eingreifen. Zuerst fischte er einen Renfer-Schlenzer aus dem Eck und den Abpraller von Da Silva bändigte er sicher (36.).
Lugano sorgt für hohes Tempo
Der FCV war in der ersten Hälfte mehr oder weniger nur mit der Defensive beschäftigt, konnte sich kaum lösen und verlor die Bälle gegen die aggressiven Tessiner zu rasch. Auch nach der Pause sorgte Lugano für Tempofussball. Allerdings war die Fehlerquote im Spielaufbau nun höher als noch vor dem Seitenwechsel. Vielleicht lags daran, dass die Luganesi mitbekamen, dass Thun dank des 1:3-Vorsprungs zur Halbzeit in Gossau virtueller Tabellenführer war. «Wir erfuhren erst nach dem Schlusspfiff, wie das Resultat in Gossau lautete», erklärte Luganos Vize- Captain, Michele Maggetti.
Eine strittige Szene führte zum Ausgleich. Stegmayer intervenierte vor der Behindlinie gegen Thrier, der liess sich fallen und den Foulpenalty verwandelte Da Silva ins rechte, untere Eck (1:1). «Der Schiedsrichter hat mehrere Entscheidungen strittig zum Vorteil von Lugano ausgelegt. Aber wir haben uns nie verrückt machen lassen, haben gekämpft wie die Löwen und sind mit dem Punkt belohnt worden», erläuterte FCV-Trainer Eric Orie.
Bei Lugano schien die Luft etwas draussen zu sein. Sie zollten Tribut für das hohe Tempo in den ersten 30 Minuten und waren längst nicht mehr zwingend. Trotzdem bestimmten sie das Geschehen, doch Jehle war bei den wenigen Möglichkeiten auf dem Posten. Als sich mehr Raum auftat, fuhr der FCV die Konter leider sehr schlecht; der «letzte Pass» war oft schlampig. Proschwitz verzog seinen Schrägschuss (50.), einen guten Vorstoss über Bellon konnte er nicht abschliessen (55.). Letztlich vergab Christen in einer 2:1-Überzahlsituation den endgültigen K. o.; er hätte Proschwitz bedienen müssen (92.).
Jan Stärker schreibt im Liechtensteiner Volksblatt:
Tolle Moral zum Abschluss
Was für ein grossartiger Kampf! Trotz 94 Minuten Dauerdrucks, inklusive Nachspielzeit, trotzte der FC Vaduz dem FC Lugano und schaffte zum Saisonabschluss ein 1:1 im Tessin.
Das Spiel wurde von FCV-Coach Eric Orie zur Charakterfrage erklärt. Schliesslich war in Lugano vor der Rekordkulisse von 7700 Zuschauern schon die Aufstiegsfeier geplant. Ein Punkt Vorsprung vor Thun, da sollte mit einem Dreier gegen den schwächelnden FCV die Rückkehr in die Super League perfekt gemacht werden.
Doch die Residenzler bestanden den Charaktertest, zeigten eine leidenschaftliche Abwehrschlacht und verdienten sich am Ende auch das Remis - auch durch die Weltklasseparaden von Peter Jehle.
«Da weiss man, was man hat»
Der Nationaltorwart war nur durch einen Foulelfmeter von Da Silva zu bezwingen. Alles andere meisterte der 28-Jährige. «Ich konnte eine gute, konzentrierte Leistung abrufen, aber die ganze Mannschaft hat toll gekämpft», so Jehle bescheiden, der aber auch weiss, dass die vergangene Saison alles andere als nach Plan verlief. «Es war dann doch noch ein versöhnlicher Abschluss einer sehr durchwachsenen Saison. Aber wir haben uns alle noch einmal rein gehängt und alles gegeben.»Während Jehle also die Mannschaft lobte, waren seine Kollegen vom Schaaner begeistert. «Lugano war klar die bessere Mannschaft und hat immer wieder Chancen gehabt. Aber Peter war einfach klasse. Er hat uns immer wieder im Spiel gehalten», so Michael Stegmayer, der den FC Vaduz verlassen muss. «Es ist für uns auch wichtig, wenn man weiss, dass man einen Torwart hat, der auch mal einen Unhaltbaren hält. Peter war über die gesamte Saison unser sicherer Rückhalt.»Sieht auch Routinier Bruno Sutter so, für den es ebenfalls der Abschied vom FCV war: «Wir wollten die Meisterschaft nicht verfälschen und unser Bestes geben. Sicherlich hat auch Peter einen überragenden Tag erwischt und uns den Punkt zum Abschluss gerettet.»
Tolle Einstellung gezeigt
Stolz ist Coach Eric Orie nicht nur auf Peter Jehle, der für ihn seit Amtsantritt «der beste Spieler» war, sondern auch auf die Einstellung seiner Mannschaft. «Die Jungs haben tollen Charakter gezeigt, da wir auch im Cup nur zwei Tage zuvor schon 120 Minuten kämpfen mussten», so der Holländer grinsend. «Sicherlich hatten wir Glück bei den vielen Chancen, die Lugano ausgelassen hat. Und wenn ein Ball aufs Tor kam, stand da ja Peter Jehle.»