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FC Vaduz vs. FC Lugano 5:1

Marco Pescio / Liechtensteiner Volksblatt:

Drei Punkte und fünf Tore für das Vaduzer Selbstvertrauen

Grosses Aufatmen in Vaduz: Der FCV gewinnt das kapitale Heimspiel gegen den FC Lugano gleich mit 5:1 und schliesst so in der Tabelle wieder zur Konkurrenz auf. Das Team von Giorgio Contini spielte ab der 36. Minute in Überzahl – und nutzte dies eiskalt aus.

«Schön, dass wir dieses Resultat auch mal zu unseren Gunsten sehen dürfen», meinte Giorgio Contini nach Abpfiff, halb scherzhaft, halb ernst. Der FCV-Trainer spielte damit auf die übermässig vielen Kanterniederlagen in der bisherigen Saison an, die einen beträchtlichen Teil dazu beitrugen, dass die Vaduzer keinen guten Herbst erlebten. Letzter Tabellenplatz und drei Punkte Rückstand auf Platz neun: So sah die Ausgangslage vor dem wichtigen Heimspiel gegen Lugano aus. Der FCV musste reagieren – und er tat dies auf eindrückliche Art und Weise. Allerdings auch unter Mithilfe von Lugano-Stürmer Rodrigo Aguirre, der in der 36. Minute nach einem Ellenbogenschlag gegen Gonzalo Zarate vom Platz flog und so dem FC Vaduz ein Überzahl­spiel ermöglichte. Der Ausschluss kam den Liechtensteinern sehr gelegen, war Lugano doch zu Beginn der ersten Halbzeit das deutlich aktivere und gefährlichere Team.

Doch der FCV zeigte sich in Überzahl gnadenlos. Er schoss die Süd­tessiner am Ende gleich mit 5:1 ab. Es ist der höchste Vaduzer Sieg in der Super League überhaupt.
Mann des Spiels war ausgerechnet einer, der den hohen Erwartungen zuvor nicht gerecht werden konnte. Marco Mathys, in den ersten 15 Spielen ohne Torerfolg, schoss an diesem kühlen Sonntagnachmittag gleich drei Treffer. Sein spätes 5:1 in der 92. Minute war die Krönung eines konzentrierten und effizienten Auftritts des FC Vaduz.

Kukuruzovic-Tor löst Torfestival aus

Am Ursprung des klaren Heimsieges stand ein früher Treffer nach der Pause: Stjepan Kukuruzovic eröffnete den Torreigen mit einem strammen Schuss, der von der Abwehr leicht abgelenkt, ins Lugano-Tor fand. Die Führung war zu diesem Zeitpunkt verdient, da Zarate kurz vor der Halbzeit aus kurzer Distanz nur die Querlatte getroffen hatte (44.). Die Vaduzer nutzten die Räume, die ihnen das Überzahlspiel bot, gut aus. In der 62. Minute war Mathys ein erstes Mal zur Stelle und markierte mit einem wuchtigen Kopfball das 2:0. War damit alles geritzt? Nein, noch nicht. Denn Lugano bäumte sich noch einmal auf, profitierte seinerseits von einer kurzen Phase der Vaduzer Unkonzentriertheit und erzielte prompt den Anschlusstreffer: Davide Mariani erwischte Keeper Peter Jehle, der für den verletzten Benjamin Siegrist zwischen den Pfosten stand, in der nahen Ecke. Kurz darauf hatte Ezgjan Alioski gar die Chance auf den Ausgleich, der Schuss des Tessiner Goalgetters flog aber knapp am Lattenkreuz vorbei.
Die Antwort des FCV folgte allerdings postwendend: Nur zwei Minuten nach Marianis Tor bejubelte Vaduz bereits das 3:1. Nach einer Hereingabe von Marvin Pfründer, der zum ersten Mal seit vier Monaten (!) wieder einmal in der Liga eingesetzt wurde, traf der völlig freistehende Mathys mittels Halbvolley. Der zweite Treffer des Solothurners sollte die Vorentscheidung bedeuten, denn danach schafften es die Luganesi nicht mehr, gefährlich zu werden. Und so bot sich einem weiteren Vaduzer Spieler die Möglichkeit für das erste Saisontor: Nicolas Hasler erhielt in der 88. Minute von der Lugano-Abwehr überraschend viel Zeit, sodass der Liechtensteiner Nationalspieler lange abwarten konnte, ehe er Goalie Mirko Salvi bezwang. Mathys’ Tor zum 5:1 in der 92. Minute – ein platzierter Schuss in die linke, untere Ecke – war dann der Schlusspunkt einer Partie mit versöhnlichem Charakter. Nach zuvor zehn Spielen mit nur einem Sieg (in St. Gallen Mitte Oktober) schaffte es der FC Vaduz endlich wieder einmal, seine Anhänger zu erfreuen. Die Contini-Elf liegt nun zwar noch immer auf dem letzten Tabellenplatz, dies allerdings punktgleich mit dem Vorletzten FC Thun und nur drei Zähler hinter den fünftplatzierten Grasshoppers. Dass es am Ende ein derart deutlicher Heimsieg für den FCV werden würde, hatte sich zu Beginn der Partie noch nicht abgezeichnet. Vaduz benötigte in der Anfangsphase viel Glück und einen starken Torhüter, damit er nicht in Rückstand geriet. Jehle rettete bereits nach 45 Sekunden mit einer Glanztat.

Nächste wichtige Spiele warten

Der FC Vaduz hatte im Heimspiel gegen Direktkonkurrent Lugano möglicherweise endlich jenes Glück auf seiner Seite, das ihm in den Partien zuvor oft gefehlt hatte. Das 5:1 wird die zuletzt kritische Stimmung im Umfeld des FCV wieder etwas beruhigen – ausruhen können sich Contini und seine Mannen aber überhaupt nicht. Nun warten die ebenso wichtigen, letzten beiden Vorrundenspiele in Luzern und zu Hause gegen Aufsteiger Lausanne.

 

 

Ernst Hasler / Liechtensteiner Vaterland:

FCV setzt kräftiges Lebenszeichen

 

 

 

Auf den Dämpfer beim Leader FC Basel folgte gestern eine Art Befreiungsschlag des FC Vaduz, der den FC Lugano mit einem 5:1 (0:0)-Sieg heimschickte. Mathys schoss mittels Hattrick (62./75./92.) seinen Frust von der Seele.

 

Die weiteren Tore erzielten Kukuruzovic (47.) und Hasler (88.) sowie Mariani (73.), der zwischenzeitlich auf 2:1 verkürzt hatte. Als die Dämme brachen, fand der FC Vaduz gestern zu einem kaum vorstellbaren Sieg, dem höchsten in der Super-League-Geschichte. Wichtig war, dass der FCV nach der Roten Karte gegen Aguirre (36.) resolut vorwärtsspielte und auch nach dem 1:0 nicht nur verwaltete.

 

Keine Tore, jedoch Rot gegen Aguirre

 

Der FC Vaduz fand schlecht ins Spiel und konnte sich bei Torhüter Jehle bedanken, der nach 55 Sekunden einen tückischen Rouiller-Kopfball aus dem Eck fischte und den Nachschuss von Golemic  mit dem Fuss bereinigte. Glück hatte die FCV-Defensive, als Golemic den Ball via Boden übers Tor köpfelte (11.). Einen Alioski-Aufsetzer klärte Jehle zur Seite (21.), derweil er beim Mariani-Freistoss nicht eingreifen musste (28.). Das war’s mit der Herrlichkeit der Tessiner, die schliesslich eine harte Note ins Spiel brachten. Als Tätlichkeit taxierte Ref Bieri einen Ellbogeneinsatz von Aguirre an Zarate (36.). Zuvor hatte er das Zerren von Padalino an Brunner (20.) und ein Padalino-Handspiel im Strafraum (33.) grosszügig übersehen. War das eine Kompensation des Schiedsrichters? «Grundsätzlich gehe ich nicht auf jeden Pfiff des Refs ein. Ich erwähne nur die Naivität unseres  Spielers. Das ist das Einzige, was es zu sagen gibt», befand FCL-Assistent Mirco Conte.

 

Und der FCV tat sich lange Zeit schwer, den Zugriff aufs Spiel zu erhalten. Burgmeier verzog aus der Drehung mittels Volley deutlich (24.), dennoch war das eine Art Weckruf, denn in der Folge kam mehr vom Gastgeber. Mathys lenkte den Ball mittels Absatz knapp neben das Tor (29.). Schliesslich klärte Torhüter Salvi mit der Faust vor Mathys (31.), ein Zarate-Knaller zischte haarscharf neben den Kasten (42.) und sein zweiter Abschluss nach Konrad-Vorarbeit landete an der Querlatte (44.).

 

Die erlösende 1:0-Führung für den FC Vaduz

 

In der zweiten Halbzeit gelang dem FCV die erlösende Führung: Einen Pfründer-Rückpass auf den Strafraum übernahm Kukuruzovic mit vollem Risiko. Der Ball landete leicht von Rouiller abgefälscht im Tor (1:0). Der FCV blieb dran, suchte das zweite Tor. Und das sollte im Anschluss an den vierten Eckball fallen: Kukuruzovic flankte zur Mitte und Mathys erzielte sein erstes FCV-Saisontor per Kopf (2:0). Vor diesem Treffer hatte Salvi einen Mathys-Schuss geklärt (52.) und einen Pfründer-Aufsetzer mit Not klären können (53.). Danach stand Burgmeier zweimal im Mittelpunkt: Sein Kopfball verfehlte das Tor (54.), und als Pfründer abzog, lenkte er den Ball über die Querlatte (58.). 

Erst als Lugano der Anschlusstreffer gelang – Mariani traf nach Alioski-Zuspiel ins nahe Eck (2:1) –, musste der FCV kurz zittern, nachdem Alioski aus spitzem Winkel das Tor verfehlte (74.). Doch postwendend gelang erneut der Zwei-Tore-Vorsprung.  Hasler chippte zu Pfründer, dessen Zuspiel von der Grundlinie beförderte Mathys volley ins Netz (3:1). Danach war der Widerstand der Tessiner – bis auf einen Mariani-Schuss (83.) – gänzlich gebrochen. Hasler verzog knapp (86.), doch zwei Minuten später erhöhte Hasler auf 4:1. Er stoppte eine lang gezogene Schürpf-Flanke mit der Brust und jagte den Ball volley ins Netz. Den Schlusspunkt setzte Mathys, der nach Costanzo-Zuspiel mittels Flachschuss von der Strafraumgrenze den 5:1-Endstand fixierte.

 

Der FCV fand nach zuletzt zehn Partien ohne Sieg auf die Siegesstrasse zurück. Obwohl das Skore  doch etwas zu hoch ausfiel, ist es ein kräftiges Lebenszeichen und auch ein Signal an die Konkurrenz, dass der FCV wieder Anschluss an die Konkurrenz gefunden hat.




FC Vaduz vs. FC Lugano 5:1