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Medienspiegel: FC Thun vs. FC Vaduz 4:3

Marco Pescio / Liechtensteinter Volksblatt:

Am Boden zerstört: Vaduz verliert Direktduell gegen Thun mit 3:4

Der FC Vaduz schafft es erneut nicht, einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf zu schlagen. In einer verrückten Partie in Thun verliert die Contini-Elf am Ende 3:4. Die schwierige Situation des Tabellenletzten spitzt sich damit weiter zu.

Einige liessen einfach den Kopf hängen, andere sassen am Boden und vergruben sich im eigenen Trikot. Die Symbolik, welche die Vaduzer Spieler nach dem Abpfiff der kapitalen Partie in der Thuner Stockhorn-Arena ausstrahlten, war eindeutig. Der Frustrationsgrad aufseiten der Liechtensteiner bewegte sich nahe am Maximum – nicht jeder hatte Lust, sich zu dieser Partie auch noch öffentlich zu äussern. Einer, der nicht um ein Statement herumkam, war Trainer Giorgio Contini. Seine Analyse an der obligatorischen Pressekonferenz nach dem Spiel begann er mit: «Was soll ich sagen? Wir haben heute zwei Teams gesehen, die genau wussten, um was es geht.» Tatsächlich ging es um sehr viel. Es war ein Sechs-Punkte-Spiel und es hätte ein Sieg für die Moral werden sollen, ein Ausrufezeichen im Abstiegskampf, ein Signal an die Konkurrenz. Doch der FC Vaduz stand am Ende mit leeren Händen da. Statt des Ausrufezeichens steht hinter der Vaduzer Ligazugehörigkeit nun eher ein Fragezeichen. Wie schon in der Vorwoche gegen Lugano (1:1) verpasste er es, einen direkten Konkurrenten zu schlagen. Die Auswirkung: Thun setzte sich mit dem Heimsieg vom Tabellenende ab und hat nun bereits fünf Punkte Vorsprung auf Schlusslicht Vaduz.

Früher 0:2-Rückstand

Der grosse Frust beim FCV war verständlich, denn die Partie auf dem Thuner Kunstrasen war nervenaufreibend und verrückt. Für den neutralen Zuschauer bot das Kellerduell Unterhaltung pur, doch für die direkt Beteiligten war es vielmehr eine emotionale Berg- und Talfahrt. Vaduz war katastrophal ins Spiel gestartet. Schon nach 59 Sekunden hatte der stets gefährliche Christian Fassnacht das Heimteam in Führung gebracht. Der Vaduzer Matchplan, den Contini unter der Woche akribisch zusammenstellte, war auf einen Schlag dahin. Denn der auf einigen Positionen neuformierte FCV war in der Folge überhaupt nicht bei der Sache, er schien geschockt und vom Thuner Tempo schlicht überfordert. Dejan Sorgic profitierte davon in der 16. Minute, als er einen Abstauber locker zum 2:0 verwertete. Erst danach kam die Idee von Contini, der auf ein offensives 3-4-3-System mit Rückkehrer Dejan Janjatovic als Spielmacher setzte, zum Vorschein. Maurice Brunners herrlicher Schlenzer à la Arjen Robben stellte in der 29. Minute den Anschluss her – und diese erste gute Aktion der Gäste sollte der Anfang der zwischenzeitlichen Vaduzer Aufholjagd werden.

Janjatovic trifft gleich zwei Mal

Zwar leistete sich der FCV, vor allem in der ersten Halbzeit, weiterhin viele Fehlzuspiele und Ungenauigkeiten, doch er kämpfte sich dank guter Moral zurück: Nach der Pause verwertete Janjatovic eine starke Flanke von Pascal Schürpf zum 2:2-Ausgleich. Ausgerechnet Janjatovic, der nach langer Verletzungspause nicht nur sein erstes Ligaspiel in dieser Saison bestritt, sondern auch noch seinen 25. Geburtstag feierte. Und dieser Janjatovic war kurz darauf auch für das 3:2 besorgt, indem er einen Foulelfmeter unhaltbar in den Winkel drosch (72.). Der FCV war damit auf bestem Weg zum ersten Sieg gegen die Thuner im 13. Anlauf seit 2014. Doch daraus sollte nichts werden: Nur eine Minute später traf das eingewechselte Thuner Urgestein Nelson Ferreira zum 3:3 – und wiederum nur acht Zeigerumdrehungen später kam der grosse Auftritt des Sandro Lauper, der aus 25 Metern herrlich in die rechte, hohe Torecke traf. Der Traumtreffer versetzte die Thuner in Ekstase, und die Vaduzer ins Elend. Trotz des bemerkenswerten Kampfgeistes deckte der FCV erneut seine grosse Abwehrschwäche auf. Wieder kassierte er vier Tore, es waren bereits die Gegentreffer Nummer 50 bis 53 in dieser Saison. Das ist der absolute und erschreckende Höchstwert der gesamten Liga. In der Tabelle bleibt der FC Vaduz derweil ganz unten – und damit weiterhin Abstiegskandidat Nummer eins. 

Ernst Hasler / Liechtensteiner Vaterland:

Drei Auswärtstore und kein Punkt


An Dramaturgie fehlte es nicht in der Partie FC Thun gegen den FC Vaduz: Nach einer 2:0-Führung dank Fassnacht (1.) und Sorgic (16.) schafften Brunner (29.) und Janjatovic (54./72.) die Wende, doch Thun gelang noch der 4:3-Sieg.


Ferreira (73.) und Lauper (81.) nutzten die klaffenden Lücken in der FCV-Abwehr gnadenlos aus und bescherten dem FC Thun einen weiteren Sieg in diesem Direktduell. Die FCV-Defensive patzte nach Belieben, stand oft den effizienten Thunern Pate und liess die Cleverness vermissen, die auf diesem Niveau unerlässlich ist. Mit einem solchen Abwehrverhalten wird der FCV absteigen.

Vaduz im Tiefschlaf Thun legte früh vor

Der erste Angriff der Thuner über die rechte Seite führte zum frühen Führungstreffer nach 59 Sekunden: Fassnacht köpfelte den Tosetti-Flankenball aus zwei Metern ins Tor (1:0). Der FCV befand sich absolut im Tiefschlaf.

Der schnelle Führungstreffer führte dazu, dass Thun sogleich auf Abwarten spielen konnte, doch dem FCV unterliefen zu viele Fehler im Spielaufbau. Statt auszugleichen, erhöhten die Berner Oberländer auf 2:0. Torhüter Siegrist liess einen Tosetti-Schrägschuss zur Seite abprallen, Sorgic konnte einschieben; Konrad hatte den Thuner Angreifer aus den Augen verloren. Schliesslich gelang nach feiner Einzelleistung von Brunner der wichtige Anschlusstreffer. Er übernahm ein Stanko-Zuspiel, düpierte die Thuner Facchinetti und Hediger an der Strafraumgrenze und traf ins rechte, obere Eck (2:1).

Schon zuvor besass Avdijaj eine frühe Ausgleichschance, schob den Ball Torhüter Faivre in die Arme, statt mit einem Heber zu agieren (5.). Konrad vergab eine Kopfballchance aus elf Metern, verfehlte den Kasten jedoch (28.). Eine gute Möglichkeit liess Mathys auser hatte den Flankenball völlig falsch eingeschätzt (45.). Thun lebte Effizienz vor: Einen Fassnacht-Schuss lenkte Grippo zur Ecke (14.) und froh konnte der FCV sein, dass der Ref den Rapp-Pfostenschuss im Abseits sah (20.). Die TV-Bilder belegten das Gegenteil. Der FCV-Anschlusstreffer hatte das FCV-Spiel etwas stabilisiert, dennoch fehlte der Raumgewinn vor allem nach Ballgewinnen. Einige Offensivkräfte (Mathys, Schürpf und Avdijaj) agierten mutlos, Janjatovic fehlte die Sicherheit, was viele einfache Ballverluste zur Folge hatte.

Doppelte Wende führt letztlich ins Verderben

In der zweiten Halbzeit änderte sich das Bild, denn der FCV legte nun mehr Zielstrebigkeit zutage, holte viele «zweite Bälle» und bestimmte mehrheitlich die Gangart. Zarate lancierte Schürpf, der lief auf die Grundlinie und flankte von der linken Seite aufs lange Eck, wo Janjatovic halbvolley vollendete (2:2). Dieses Tor rief die Thuner wieder wach: Fassnacht kam zweimal zu Kopfbällen, weil in der FCV-Abwehr einfach die Präsenz fehlte, doch Torhüter Siegrist klärte zweimal stark (64./66.). Nach einem Foul von Schindelholz an Avdijaj diktierte der Ref einen Foulpenalty, den Janjatovic eiskalt ins linke, obere Eck jagte (2:3). Somit hatte der FCV die für unmöglich gehaltene Wende geschafft, doch keine Minute später glich Ferreira aus: Glarner vernaschte Schürpf, bediente Lauper, dessen Schuss liess Torhüter Siegrist nach vorne fallen und Ferreira schob ein (3:3), zumal Grippo und Borgmann zu spät rea- gierten. Mit einem Sonntagsschuss besiegelte der unauffällige Lauper das Schicksal des FCV und traf aus 22 Metern ins rechte, obere Eck (4:3). Muntwiler hatte zuvor ein Geissmann-Zuspiel ungenügend auf Lauper geklärt. Als schliesslich Grippo Ferreira zu Boden riss und einen Foulpenalty verursachte, schien die Sache gelaufen zu sein, doch Bürki jagte den Strafstoss übers Tor (86.). Im Finish scheiterte Fassnacht ein weiteres Mal an Siegrist (92.) und auf der Gegenseite vergab Avdijaj den möglichen Ausgleich (94.).

Erstaunlich, dass der auf Kunstrasen starke Ciccone nur auf der Bank sass und Hasler, der mit seinen Rushes für Überzahlsitua- tionen sorgen kann, keine Sekunde zum Einsatz kam. Die Balance im FCV-Gefüge fehlt nach wie vor und könnte sich letztlich als grosser Problemkreis entpuppen









Medienspiegel: FC Thun vs. FC Vaduz 4:3