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FC Vaduz Cupsieger 2016

Marco Pescio / Liechtensteiner Volksblatt:

Der FC Vaduz ist Cupsieger: Elf Tore und ein Europacupticket

Der FC Vaduz sichert sich im 71. Liechtensteiner Cupfinale seinen 44. Titel. Der Super-League-Club gewinnt das Endspiel gegen Drittligist FC Schaan gleich mit 11:0 und spielt so in der kommenden Saison in der Europa-League-Qualifikation. Mit dem hohen Sieg stellt der FCV zudem einen neuen Finalrekord auf.

Der FC Vaduz kann hinter eines seiner beiden grossen Saisonziele ein Häkchen setzen. Der angestrebte Cupsieg ist in der Tasche, und damit die Europacup-Teilnahme gesichert. Um die erfolgreiche letzte Saison zu bestätigen, fehlt nun nur noch der Klassenerhalt in der Meisterschaft.

 

Der Triumph im Liechtensteiner Cup war auch in diesem Jahr hochverdient. Der FCV startete als haushoher Favorit ins Duell mit dem in der 3. Liga und damit sechs Leistungsstufen tiefer beheimateten FC Schaan. Dieser Rolle wurde er im 71. Endspiel des nationalen Pokalwettbewerbs zu jedem Zeitpunkt gerecht. Vaduz hatte das Geschehen über jede einzelne der 90 Minuten im Griff, liess dem Aussenseiter nicht den Hauch einer Chance. Obwohl die Schaaner tapfer kämpften und viel Laufarbeit leisteten, konnten sie gegen die Profiequipe aus dem Schweizer Oberhaus nichts ausrichten.

Vaduzer Torrausch

Der FCV liess den Ball – und den Gegner – gekonnt laufen. Und vor allem: Er spielte sich regelrecht in einen Torrausch. Auch als die Mannschaft von Trainer Giorgio Contini schon mit einigen Toren in Führung lag, schien der Hunger nach weiteren Treffern noch nicht gestillt. Schon zur Pause führte der Titelverteidiger mit 6:0. Mauro Caballero eröffnete das Score in der elften Minute mit einem Aussenristschuss in die linke, untere Torecke. Es war der Startschuss für ein Vaduzer Schaulaufen, das vor allem von Spielern geprägt wurde, die in der Meisterschaft bislang weniger oft zum Zug kamen oder erst gerade von einer langen Verletzungspause zurückkehrten.

Caballero trifft vierfach

Caballero gehört zur ersten Sorte: In der Super League ist er mittlerweile nur noch in der Jokerrolle, ein Tor ist ihm dabei bislang noch nicht gelungen. Im Cupfinale nutzte er jedoch die Chance, um auf sich aufmerksam zu machen. Der 21-jährige Paraguayaner kam über die gesamte Spieldauer zum Einsatz und steuerte zum Kantersieg vier Tore bei. Caballero war auch für das 2:0 besorgt – und später für das zwischenzeitliche 6:0 und das 8:0.
Der FCV erspielte sich seine Chancen und Tore teilweise mit schönen Ballstafetten, teilweise mit sehenswerten Einzelleistungen. Dem 3:0 etwa ging ein Solo von Albion Avdijaj voraus. Der albanische Stürmer setzte sich gleich gegen zwei Verteidiger durch und überwand dann auch noch Keeper Adrian Thomann. Für die weiteren Tore vor der Pause waren Axel Borgmann (4:0) und Ali Messaoud (5:0) besorgt, beide zeigten sich bei ihren Möglichkeiten kaltblütig.
Wer dachte, dass der FC Vaduz nach der Pause einen Gang runterschalten würde, der bekam fürs Erste recht. In der Tat mussten die 1298 Zuschauer im Rheinpark-Stadion (im Vergleich zur ersten Halbzeit) lange warten, ehe es den nächsten Treffer zu sehen gab. Das 7:0 fiel in der 68. Minute durch einen anderen Spieler, der ansonsten oft Ersatz ist: Manuel Sutter. Auch der Vorarlberger schaffte es, positiv von sich reden zu machen. Erst bejubelte er einen schönen Treffer, den er in klassischer Stürmermanier erzielte: Brustannahme, Schuss, Tor. Und dann war er es, der in der 85. Minute das Vaduzer «Stängeli» (das 10:0) perfekt machte.
Die bewegendsten Geschichten schrieben an diesem schönen Frühlingsabend aber die beiden Rückkehrer im Vaduzer Team: Nicolas Hasler und Pascal Schürpf. Ersterer wurde vom Trainer zu seinem 25. Geburtstag mit der Startelfnomination, der Kapitänsbinde und 90 Minuten Einsatzzeit beschenkt. Das i-Tüpfelchen auf Haslers gelungenes Comeback im Profiteam war das Tor in der 90. Minute, wenige Sekunden bevor Schiedsrichter Nikolaj Hänni die Partie abpfiff. Schürpfs Abend war nicht weniger emotional: Nach rund neun Monaten ohne Einsatz im Fanionteam durfte der Basler wieder einmal eine Halbzeit ran – und dabei ebenfalls ein Tor bejubeln. In der 81. Minute traf er mittels Heber zum zwischenzeitlichen 9:0.

Vereinzelte Schaaner Chancen

Die Schaaner wurden im Cupfinale zuweilen zu Statisten degradiert. Dennoch vermochten auch sie einige Akzente in der Offensive zu setzen. Stürmer Agim Zeciri (22./69.) sowie die eingewechselten Binjamin Ismaili (82.) und Andreas Schweiger (89.) vermochten aus ihren Möglichkeiten aber kein Kapital zu schlagen. Für den FC Schaan, der es verständlicherweise bedauerte, gleich in zweistelliger Höhe verloren zu haben, wird das Endspiel aber nicht in schlechter Erinnerung bleiben. Allein der Finaleinzug war der grösste Erfolg der Vereinsgeschichte seit über zwei Jahrzehnten, die letzte Finalteilnahme und gleichzeitig auch der letzte Cupsieg datiert vom Jahr 1994.

Der FC Vaduz durfte sich derweil nicht nur über den Pokal freuen, sondern auch über einen neuen Rekord. Seit 1946 hat noch nie ein Team im Liechtensteiner Cup ein Finalspiel höher, geschweige den zweistellig, gewonnen.

 

 

Ernst Hasler / Liechtensteiner Vaterland:

FCV im Spaziergang zum Cupsieg

Der FC Vaduz holte sich im 71. Liechtensteiner Cupfinale zum insgesamt 44. Mal den Sieg. Der Superligist bodigte den Drittligisten FC Schaan diskussionslos mit 11:0 (6:0)-Toren und feierte damit den höchsten Finalsieg. Mauro Caballero liess sich dabei als vierfacher Torschütze feiern.

Die weiteren Tore steuerten Sutter mittels Doppelpack (68./85.), Avdijaj (20.), Borgmann (30.), Messaoud (43.), Schürpf (81.) und Hasler (90.) bei. Es war der erste zweistellige Sieg und der höchste Finalsieg in der 71-jährigen Cupgeschichte. Trotz des einseitigen Spielausgangs war die Stimmung bei den rund 200 lautstarken Schaaner Fans in keiner Weise getrübt. Der FC Vaduz ging die Aufgabe im ungleichen Finale sehr konsequent sowie zielstrebig an und liess nichts anbrennen. Trotzdem tauchten wieder kritische Stimmen auf, dass im Cup die drei besten FL-Teams gesetzt werden sollten.

Sechs Tore in Halbzeit eins

Obwohl der FCV etliche Kräfte schonte (Jehle, Muntwiler, Costanzo, Stahel, Kukuruzovic und Burgmeier), fielen die Tore wie reife Früchte. Hasler lancierte Caballero in die Tiefe, der traf aus halbrechts ins lange Eck (1:0). Beim zweiten Tor half FCSKeeper Thomann mit, denn der Borgmann-Querpass glitt unter seinem Bauch durch, Caballero schob ins leere Tor ein (2:0). Mittels starkem Solo erhöhte Avdijaj auf 3:0. Nikolic und Matthias Quaderer setzten ihren Körper im Zweikampf mit dem Albaner ungenügend ein. Schliesslich folgte eine schöne Kombination von Avdijaj in die Schnittstelle auf Borgmann, der Deutsche verwertete gekonnt (4:0). Ohne grosse Gegenwehr fiel der nächste Treffer: Nikolic klärte ungenügend, die FCS-Innenverteidiger attackierten halbherzig, Messaoud schob ein (5:0). Ausgangs- punkt des sechsten Treffers war Hasler. Das Geburtagskind setzte sich im Doppelpass mit Avdijaj durch, seinen Rückpass von der Grundlinie bugsierte Caballero mit der Hüfte ins Tor (6:0).

Der FCV agierte sehr effizient und besass nur noch drei weitere Torchancen. Caballero zielte zu hoch (7.), Avidjaj stoppte den Ball vor Thomann, vergas jedoch zu schiessen (29.), und einmal klärte Thomann mittels Fussabwehr einen Avdijaj-Schuss (36.). Der FC Schaan hatte angekündigt, dass er defensiver als zuletzt im Drittligaderby agiere, doch davon war wenig zu sehen. Fabian Eberle nahm ein FCV-Abwehrgeschenk nicht an, schoss überhastet (5.) und Zeciri verfehlte das Tor aus acht Metern deutlich (22.). Der Drittligist zeigte zu viel Respekt, spielte ohne Mut. Es fehlte die Entschlossenheit nach vorne, zudem stiegen die Amateure nicht mit der nötigen Härte in die Zweikämpfe. Sie agierten in den Duellen zu «brav», statt dem Favoriten das eine oder andere Mal mit aggressiven Mitteln zu begegnen, um diesen stärker zu fordern.

Schaan leicht besser organisiert

Nach dem Seitenwechsel nahm FCS-Trainer Nathanael Staub einige Korrekturen vor, die griffen rund 30 Minuten, denn die Abwehr war besser organisiert. Auf der Gegenseite wirkte der FCV nicht mehr so entschlossen vor dem Kasten. Dennoch erhöhte Sutter mittels Volley nach Messaoud-Eckball von der Strafraumgrenze (7:0). Eine Schürpf-Flanke jagte Caballero mittels Volley in die Maschen (8:0). Der «B-Anzug» des FCV war hungrig, spielte zielstrebig nach vorne und suchte weitere Tore. Nach einem Fauxpas von Mohammed markierte Schürpf entschlossen das nächste Tor (9:0). Das «Stängeli» voll machte Sutter, der von Caballero ideal in die Tiefe bedient wurde und ins lange Eck traf (10:0). Den Schlusspunkt setzte Hasler, der den Ball nach einer massvollen Sutter-Vorgabe mit der Brust ins Tor jagte (11:0). Zudem verfehlten Gülen (50.) und Avdijaj das Tor mit dem Kopf (53.). Schliesslich konnte sich Torhüter Thomann bei den zentralen Schüssen von Sutter (58.), Avdijaj (59.) und Caballero (63.) auszeichnen und einmal kratzte Lucas Eberle einen Sutter-Schuss von der Linie (76.).

Schaan lief sogar in Konter. Daraus war ersichtlich, dass sich der Unterklassige nicht gänzlich zurückzog, sondern bemüht war, den Ehrentreffer zu erzielen. Zeciri verfehlte aus 17 Metern (69.), Nikolic konnte einen Klaus-Fehler nicht nutzen (73.), Einwechselspieler Ismaili agierte mutig, verfehlte aus spitzem Winkel das Tor (82.) und Schweiger schoss zu zentral (88.). Diese Offensivszenen waren alleweil ehrenwert, allerdings mit dem klaren Verdikt nach 90 Minuten, die höchste Cupfinal-Niederlage ever kassiert zu haben. Einzelne FCS-Spieler wirkten überfordert, Lucas Eberle gefiel beim Verlierer noch am ehesten.




FC Vaduz Cupsieger 2016