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Medienspiegel: FC Vaduz vs. Lausanne-Sport 1:1

Marco Pescio / Liechtensteiner Volksblatt:

Wie sich ein spätes 1:1 ereignete – und was Schürpfs Hand damit zu tun hatte


Es ist das letzte Kapitel, das der FC Vaduz in der Vorrunde schreibt. Es ist unterhaltsam und spannend bis zum Schluss. Es endet mit einer Ungerechtigkeit, aber doch irgendwie gerecht. Es folgt die Geschichte, wie der FCV gegen Lausanne-Sport unter besonderen Bedingungen einen Punkt holte.

Wenn die Zuschauer nach mehr als 90 Minuten Dauerfrieren für kurze Zeit sogar die Kälte vergessen, ja dann muss sich im Stadion schon etwas Spezielles zutragen. Etwa ein letztes Aufbäumen der Heimmannschaft, die zuvor lange vergebens angerannt war und nun mit letzter Kraft versucht, doch noch ein Tor zu erzielen. So wie der FC Vaduz im Heimspiel gegen Lausanne-Sport: Es lief bereits die vierte Minute der Nachspielzeit und der FCV lag aufgrund eines glückhaften Tores von Nassim Ben Khalifa (67.) noch immer 0:1 hinten. Die Elf von Giorgio Contini hatte bis dahin mehrere hochkarätige Chancen ungenutzt gelassen. Es war zum Verzweifeln. So sehr, dass es auch der verletzte Verteidiger Simone Grippo kaum mehr auf seinem Tribünensitz aushielt. Schon bei Philipp Muntwilers Ausgleichsmöglichkeit in der 76. Minute war der Vizecaptain kurz aufgesprungen. Als dann aber tief in der Nachspielzeit plötzlich ein Pfiff des Schiedsrichters ertönte, da gab es für Grippo kein Halten mehr. Er sprang auf, jubelte, ballte die Faust – genau wie das viele andere neben ihm auf den Zuschauerrängen ebenfalls taten. Referee Lukas Fähndrich hatte soeben auf Elfmeter für Vaduz entschieden. In der 94. Minute. Nach einem Flankenball in den Lausanne-Strafraum. Und nach einem angeblichen Handspiel eines Gästespielers.

Grippo und der Grossteil der Zuschauer blieben stehen, um zu sehen, wie Moreno Costanzo den Ball in der Folge souverän in den rechten Winkel hinaufjagte. Wieder Jubel und wieder Fäusteballen im Rheinpark-Stadion. Dann ertönte der Schlusspfiff.
Während sie beim FC Vaduz erleichtert ob des Punktgewinns gegen den Direktkonkurrenten waren, machte sich bei Lausanne Frust breit. Zu Recht, denn den Penalty hätte Vaduz nie und nimmer bekommen dürfen. Im Strafraum hatte zwar tatsächlich ein Handspiel stattgefunden, doch eben nicht von einem Lausanne-Spieler. Es war FCV-Stürmer Pascal Schürpf, der im Luftduell mit der Hand am Ball war, das zeigen die TV-Bilder eindeutig. Der Basler gab kurz nach Abpfiff zu, den Ball berührt zu haben. Er verwies aber auch darauf, dass er nicht gesehen habe, was sein Gegenspieler im Luftduell gemacht habe und er so davon ausgehen konnte, dass der Schiedsrichter möglicherweise auch ein Hands seines Gegners ahndete.

Wer die Tore nicht macht, ...

Trainer Giorgio Contini hatte vor der Partie ein «positives Resultat» zum Vorrundenabschluss gefordert. Ein Sieg war das Ziel, ein Remis das Minimum. Zweiteres hat der FCV dank eines krassen Fehlentscheids erreicht, Ersteres wäre aber ebenfalls möglich gewesen. Die Liechtensteiner liessen im Rheinpark-Stadion vor 2893 Zuschauern Chance um Chance liegen. Schürpf hätte in der 49. Minute das 1:0 erzielen müssen, spitzelte die Kugel aber am Tor vorbei. Auch der für Debütant Yones Felfel eingewechselte Gonzalo Zarate verpasste die Führung, als er nach einer Stunde aus bester Position das Gehäuse verfehlte. Die Strafe kam postwendend: Lausanne bejubelte sieben Minuten später aus dem Nichts das 1:0. Auch dieser Treffer war auf äusserst glückliche Art und Weise gefallen: Samuele Campo schoss von der rechten Seite aufs Tor, traf allerdings dabei seinen Mitspieler Nassim Ben Khalifa im Schulterbereich – und von dort flog das Spielgerät in hohem Bogen ins FCV-Tor. Den Residenzlern drohte die elfte Saisonniederlage. Auch weil Muntwiler (76./90.), Mario Bühler (77.), Maurice Brunner (81.) und Stjepan Kukuruzovic (84.) weitere gute Möglichkeiten ausliessen.
Dass dann der Ausgleich in der 94. Minute doch noch fiel, ist aufgrund der Spielanteile, der vielen guten Chancen und der bemerkenswerten Moral des FC Vaduz irgendwie gerecht – obwohl die Partie mit einem ungerechten Penalty endete.

«Vaduz on Ice» auch im Rheinpark

Der FCV, der nun weiterhin Tabellenletzter bleibt, war auf eigenem, an gewissen Stellen vereistem Terrain insgesamt die gefährlichere Mannschaft. Sie schien mit den speziellen Verhältnissen etwas besser zurechtzukommen als der Gegner aus der Westschweiz. Einfach tat sich in dieser Rutschpartie aber niemand, immer wieder glitt ein Spieler auf dem eisigen Rasen aus – insbesondere im Felddrittel vor der Gästetribüne. Felfel, der zuvor in diesem Jahr wegen Verletzungen noch nie zum Einsatz gekommen war, verletzte sich beim Ausrutschen an den Adduktoren und dürfte nun den Titel «Pechvogel des Jahres» auf sicher haben. Und Muntwiler hatte Glück, dass er sich nach einem unsanften Aufprall nicht schwerer an der Hand verletzte. Contini sprach nach der Partie von «einer Halbzeit Eislaufen und einer Halbzeit Fussball».

 

 

Ernst Hasler / Liechtensteiner Vaterland:

Das Verderben noch abgewendet

Welche Dramatik beim «Krisengipfel»: Ein geschenkter Penalty bringt dem FC Vaduz in der 94. Minute durch Costanzo noch ein 1:1 (0:0)-Remis. Zuvor hatte Ben Khalifa einen Campos-Schuss glücklich ins Tor abgelenkt (67.).


Beinahe wäre der FC Vaduz ohne Liechtensteiner ins Verderben geschlittert: Burgmeier sass eine Spielsperre ab, Jehle kehrte überraschend wieder auf Position zwei zurück und Hasler musste das ineffiziente Anrennen seiner Mitspieler 93 Minuten von der Bank aus beobachten. In der Offensive fehlten die Entschlossenheit und Cleverness, um einen der zahlreichen Hochkaräter im Tor unterzubringen.

Zuerst die Verhältnisse, später die fehlende Effizienz

Von Anbeginn war der FCV zwar das etwas aktivere Team, doch in der Startviertelstunde trug sich wenig zu. Ein Schürpf-Kopfball, der auf dem Tordach landete, war noch die beste Aktion (6.). Schon nach zwei Zeigerumdrehungen hätte er in einer 1:1-Situation mehr machen können, als er überhastet abzog (2.). Und beim drit- ten FCV-Abschluss lenkte Costanzo den scharfen Schürpf-Querpass direkt in die Arme von Gästekeeper Martin (21.). Als Costanzo ins nahe Eck schoss, war der Gästekeeper erneut parat (36.). Und Glück hatten die Gäste, als Costanzo Pasche anschoss, doch der Ball verfehlte das Tor (46.+). Der FCV spielte Richtung Tribüne Süd, wo der Platz bis 30 Meter vor dem Tor gefroren und ein kontrolliertes Dribbling äusserst schwierig war. Standfestigkeit war gefragt, und die zeigte vor allem Schürpf, der nach dem GC-Spiel zum zweiten Mal nach seiner Rückkehr (Verletzung) in der Startelf stand und der auffälligste FCV-Spieler war.

FCV-Keeper Siegrist musste sich in Halbzeit eins einmal auszeichnen, als er den Schuss des vorstossenden Margiotta aus nächster Nähe stark klärte (27.). Der achtfache Torschütze des Aufsteigers, eine Leihgabe von Juventus Turin, zielte beim ersten Schuss zu hoch (3.), beim zweiten Versuch schoss er zu zentral (18.) und der dritte Abschluss konnte als Schüsschen abgetan werden (31.). Ben Khalifa, der vor dem Ex-Vaduzer Pak den Vorzug erhielt, lenkte einen Ball mittels Halbvolley in Behind (9.), und ein Campo-Schuss landete weit neben dem Tor (11.).

FCV-Kräfte vergaben gleich mehrere Matchbälle

In der zweiten Halbzeit konnte die FCV-Offensive Richtung Platzhälfte Tribüne Nord spielen, und das nutzten die Contini-Schützlinge mit spielerischen Mitteln aus. Doch fehlte einmal mehr die Effizienz: Muntwiler kam völlig freistehend zum Kopfball, verfehlte indes kläglich (48.). Danach vergab Schürpf eine Grosschance, als er den Ball mit dem linken statt dem rechten Fuss aus sechs Metern neben den Kasten setzte (49.). Auch Zarate brachte das Kunststück zustande, den Schürpf-Querpass aus sechs Metern neben das Tor zu setzen (60.). Und letztlich sollte sich das rächen, weshalb die Gäste - völlig entgegen dem Spielverlauf - in Führung gingen: Einen Campo-Distanzschuss lenkte Mitspieler Ben Khalifa mit dem Kopf entscheidend ins Tor ab; Torhüter Siegrist wurde contre-pied erwischt und reagierte nicht (0:1).

Der FCV benötigte lediglich acht, neun Minuten, um den Tiefschlag wegzustecken. Muntwilers Drehschuss lenkte Torhüter Martin zur Ecke (76.), ein Bühler-Knaller verfehlte das Ziel (77.), doch vor allem Torhüter Martin brachte die FCV-Cracks zur Verzweiflung: Zuerst stoppte er Brunner (81.) und Zarate (82.) stark. Und Mathys vergab eine Kopfballchance aus fünf Metern (90.). Als die Sache gelaufen schien, entschied der Ref auf einen Handspenalty für den FCV: Schürpf stieg mit Campo und Gétaz ins Luftduell, als die Hand von Schürpf (!)am Ball war. Glück für den FCV, Costanzo verwertete das vorgezogene Weihnachtsge- schenk souverän ins rechte obere Eck (1:1).

In der zweiten Halbzeit hatten sich die Gäste- bis auf einen Custodio-Schrägschuss (51.)- keinen weiteren Torschuss erarbeitet, selbst der Führungstreffer war dem Prädikat «Zufall» zuzuordnen. Der FCV kam zu elf Eckbällen und etlichen Freistössen aus dem Halbfeld, doch die Standards wurden sehr schlecht ausgeführtein weiteres Manko an diesem sehr kalten Abend.




Medienspiegel: FC Vaduz vs. Lausanne-Sport 1:1