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Medienspiegel: Young Boys vs. FC Vaduz 3:2

Marco Pescio / Liechtensteiner Volksblatt:

Viel Vaduzer Frust bei Vrabec-Debüt: 2:3-Niederlage in der Nachspielzeit


Roland Vrabec sieht bei seiner Pflichtspielpremiere als Cheftrainer des FC Vaduz, wie seine Mannschaft in der Schlussphase den Auswärtssieg bei den Young Boys herschenkt. Zwei Gegentore in der Nachspielzeit bescheren dem Tabellenletzten eine ganz bittere 2:3-Niederlage.

Um ein Haar hätte Roland Vrabec beim FC Vaduz einen Traumeinstand gefeiert. Bis zur 92. Minute führten die Residenzler nach Toren von Gonzalo Zarate (8.) und Philipp Muntwiler (65.) mit 2:1, ehe das Stade de Suisse von einer gelbschwarzen Welle der Euphorie erfasst wurde. Erst traf Michael Frey, wohl aus Abseitsposition, zum 2:2-Ausgleich – und dann sorgte der ebenfalls eingewechselte Roger Assalé in der 94. Minute sogar noch für den Sieg der Hauptstädter. Während bei den YB-Protagonisten und auf der Tribüne riesige Freude herrschte, verstand man beim FC Vaduz die Welt nicht mehr. Innert zweier Minuten sah sich der tapfer kämpfende Tabellenletzte um seinen Lohn gebracht. Der FCV war zwar nicht das bessere Team, hatte nicht mehr Ballbesitz als YB und schon gar nicht mehr Torchancen – aber er ackerte sich dank bemerkenswerter Effizienz und viel Einsatz zu einer 2:1-Führung, die letztlich länger als die reguläre Spielzeit halten sollte. Aber eben nicht bis ganz zum Schluss.

Vrabec: «Sehr, sehr enttäuscht»

Dass Vaduz am Ende dennoch mit leeren Händen dastand, lag daran, dass sich der FCV mit Fortdauer des druckvollen YB-Spiels in der Schlussphase immer mehr einschnüren liess. «Wir konnten uns irgendwann nicht mehr befreien und schafften es dadurch nicht mehr, alle Angriffe richtig zu verteidigen», konstatierte Vrabec nach der Partie. Der 43-jährige Deutsche war nach dem Spiel «sehr, sehr enttäuscht», wie er an der Pressekonferenz zugab. Solch ein Spielverlauf sei «nur schwer zu verdauen». In der Tat wäre ein Sieg der Vaduzer nicht unverdient gewesen – auch wenn er mit Glück zustande gekommen wäre, traf YB doch zweimal nur den Pfosten (53./Joss und 63. Hoarau). Der FCV demonstrierte «Leben auf dem Platz», wie Vrabec im Vorfeld gefordert hatte. Er zeigte sich kämpferisch, störte den Gegner früh und eroberte dadurch viele Bälle. «Man soll spüren, dass der FC Vaduz unbedingt in dieser Liga bleiben will», sagte der neue Cheftrainer vor dem Spiel. Und tatsächlich: YB bekam es zu spüren. Die Berner taten sich schwer, ein Mittel gegen die aufmüpfigen Vaduzer zu finden. Bis zur Nachspielzeit brachte es die Elf von Adi Hütter nicht fertig, ein Tor aus dem Spiel heraus zu erzielen. Das frühe 1:0 durch Torjäger Guillaume Hoarau (3.) war nach einem Elfmeter gefallen, den Mario Bühler mit einem Foul an Miralem Sulejmani verschuldete. Die Reaktion der Vaduzer folgte danach allerdings postwendend: Nur fünf Minuten später schloss Gonzalo Zarate einen schönen Angriff mit einem Schuss aus der Drehung ab – nach guter Vorarbeit von Stjepan Kukuruzovic, Albion Avdijaj und Axel Borgmann.
Trotz Enttäuschung ob des Ergebnisses zeigte sich Vrabec in gewissen Punkten zufrieden mit dem Auftritt seiner Schützlinge: «Das Team hat den Ernst der Lage erkannt. Wir haben heute eine Mannschaft gesehen, die an ihr Limit gegangen ist. Was die Leistung betrifft, kann ich nicht meckern.» Allerdings sprach Vrabec in seiner Analyse auch die Physis der Mannschaft an, die in Anbetracht des hohen Levels in der Super League stark verbesserungsfähig sei. Auch dass die Stürmer die Bälle nicht immer halten konnten, bemängelte der FCV-Übungsleiter. Zudem wird Vrabec auch ein altes Problem des FC Vaduz thematisieren müssen: Einmal mehr in dieser Saison schenkten die Residenzler Punkte viel zu leichtfertig her. Der Killerinstinkt geht dem FCV nach wie vor ab. Und jeder weiss, dass sich das am Ende der Saison rächen könnte.

Siegrist erhält den Vorzug

Zwei wichtige Personalfragen beim FCV wurden bereits vor Anpfiff beantwortet: Im Tor bekam die bisherige Nummer eins, Benjamin Siegrist, das Vertrauen von Roland Vrabec. Der 25-jährige Baselbieter erhielt damit erneut den Vorzug vor dem zehn Jahre älteren Liechtensteiner Nationaltorhüter Peter Jehle. Und in der Kapitänsfrage entschied sich Vrabec im YB-Spiel für Innenverteidiger Simone Grippo, der schon zuvor oft die Kapitänsbinde getragen hatte.

    
Ernst Hasler / Liechtensteiner Vaterland:

Wie gewonnen, so zerronnen

Der FC Vaduz kassierte in seinem ersten Spiel unter Neo-Trainer Roland Vrabec in Bern eine 3:2 (1:1)-Niederlage gegen das zweitplatzierte Young Boys. Mit der Brechstange wendeten die Berner den 1:2-Rückstand in einen Sieg.

Hoarau traf mittels Penalty (3.), Zarate (8.) und Muntwiler (65.) sorgten für die Wende, doch Frey (92.) und Assalé (94.) wendeten das Blatt noch gegen eine defensiv instabile FCV-Abwehr. Der FCV war nicht imstande, die Führung über die Runde zu schaukeln: Ein Dejà-vu-Erlebnis wie schon vor fünf Wochen bei der 4:3-Niederlage in Thun, als der FCV im Finish eine 2:3-Führung verspielte.

Zwei Tore in den ersten acht Minuten

Als die Berner nach 97 Sekunden erstmals im Vaduzer Strafraum auftauchten, diktierte Ref Fähndrich bereits einen Strafstoss für YB: Bühler ging zu zaghaft in den Zweikampf mit Sulejmani, der zu Boden ging. Den Foulpenalty verwandelte Hoarau zum 1:0 (3.). Der erste vernünftige FCV-Angriff trug den Ausgleich ein: Borgmann, der als Rechtsverteidiger auflief, spielte den Ball von rechts in den Rückraum, wo Zarate den Ball mit dem nötigen Glück unter Kontrolle brachte und nach einer Drehung ins Tor schob (1:1); Mvogo stand komplett im Schilf.

Auf die zwei schnellen Tore folgte der grosse Leerlauf, denn in der Folge herrschte viel Hektik auf dem Platz. Das lag am FCV, der energisch und aggressiv störte, rasch aus der Abwehr herausrückte und damit YB aus dem Tritt brachte. Bis auf zwei unpräzise Schüsse von Hoarau (15.) und Bertone, die den Kasten deutlich verfehlten (44.), brannte vor Torhüter Siegrist nichts an, der auch unter Neo-Trainer Vrabec erstaunlicherweise den Vorzug gegegenüber Jehle erhielt.

Und der FCV? Der spielte mutig nach vorne, oft ging der Ball indes bei Sturmspitze Avdijaj verloren, der die Bälle verschleppte oder die falsche Entscheidung traf. Grippo besass eine Kopfballchance, verfehlte den Kasten jedoch sehr deutlich (35.) und Borgmann kam völlig frei stehend zum Torabschluss, doch der glich einem «Rückpass», da er mit seinem rechten Fuss den Ball nicht optimal traf (38.).

YB traf zweimal den Pfosten und der FCV das Tor!

Welche Dramaturgie in der zweiten Halbzeit: Sulejmani traf nach einem Hasler-Fehlpass den Pfosten (53.) und eine Joss-Flanke prallte ebenfalls vom Pfosten zurück (63.). Stattdessen profitierte Muntwiler von einem kapitalen Mvogo-Fehler: Bühler schob einen Berner in YB-Torhüter Mvogo, der bereinigte ungenügend, Muntwiler jagte den Ball volley aus sieben Metern ins Tor (1:2). Zuvor war Avdijaj nach einem Göppel-Querpass einen Schritt zu spät gekommen (65.).

Die Berner reagierten heftig und kamen zu einigen Abschlüssen, doch fehlte lange Zeit die Kaltschnäuzigkeit vor dem Kasten. Ravet schoss Grippo an (76.) und Sanogo verzog seinen Weitschuss knapp (89.). Torhüter Siegrist rückte immer mehr in den Mittelpunkt: Einen Frey-Halbvolley klärte er stark (76.) und einen Hoarau-Volley bereinigte er mit der Faust (83.). In der Nachspielzeit wendete sich das Blatt: Zuerst hatte Siegrist Glück, als er nach einem Einwurf danebengriff (90.). Als Hoarau einen langen Ball per Kopf Richtung Strafraum verlängerte, zögerte Siegrist, Frey kam vor ihm aus Abseitsposition an den Ball und traf (2:2). Zu guter Letzt schaffte YB noch den Siegestreffer. Einen Sulejmani-Eckball köpfelte Hoarau an Bühlers Körper, den Abpraller spedierte Hoarau Richtung Tor, wo Assalé komplett frei den Ball ins Tor abstaubte (3:2).

Wechselbedarf im Mittelfeld

Die ungenügende FCV-Defensi- ve ist das eine, doch der Angriff ist das andere und entpuppte sich ein weiteres Mal als laues Lüftchen. Viele Entlastungen endeten meistens bei Sturmspitze Avdijaj, der die Bälle ungenügend hielt und sich keinen Vorteil verschaffen konnte. Ein Wechsel hatte sich aufgedrängt, doch FCV-Trainer Roland Vrabec begründete: «Ich sah Wechselbedarf im Mittelfeld, denn Stanko bekundete körperliche Probleme. Grundsätzlich ist er nicht auf dem Level, um Woche für Woche Super League zu spielen. Da ich dort reagieren musste, nahm ich in Kauf, dass wir vorne nicht so gut die Bälle sichern, al- lerdings aber hinten präsent sind.»





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