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FC Sion vs. FC Vaduz 4:2

Marco Pescio / Liechtensteiner Volksblatt:

Gut gestartet, unsanft gelandet 
Trotz Führung und einiger ansprechender Aktionen muss sich der FC Vaduz in Sion geschlagen geben. Das Team von Giorgio Contini bricht in der zweiten Halbzeit ein, verliert mit 2:4 und bleibt weiterhin das Schlusslicht der Tabelle.
von Marco Pescio

Der FC Vaduz bekommt im Wallis zu spüren, was es heisst, dem Druck der starken Sittener Offensive über längere Zeit ausgesetzt zu sein: Irgendwann bricht der Bann.

Doch bis es so weit war, machte der Aussenseiter aus dem Fürstentum gar nicht so eine schlechte Figur. Moreno Costanzo brachte den FCV in der 34. Minute sogar mit 1:0 in Führung. Schon wie er den Ball mit einem trockenen Flachschuss in der linken, unteren Torecke versorgte, war schön anzusehen. Noch schöner aber war die Vorarbeit von Albion Avdijaj, der seinen Kapitän gekonnt mit der Hacke lancierte.
Überhaupt verdiente sich Avdijaj in diesem zweiten Rückrundenspiel gute Noten. Der albanische Stürmer war es auch, der in der zweiten Halbzeit die Vaduzer Hoffnung aufrechterhielt. Zumindest für kurze Zeit. Sein Kopfballtreffer zum zwischenzeitlichen 2:2 in der 65. Minute war die prompte Antwort auf den Sittener Doppelschlag nach gut einer Stunde. Mangelnde Effizienz konnte man dem FCV nicht vorwerfen, nutzte er doch gleich die zwei einzigen richtigen Torchancen, die sich ihm boten. Anders der FC Sion: Die Equipe von Peter Zeidler, der sich in den Tagen zuvor wegen fehlender Resultate von Präsident Christian Constantin einiges anhören musste, rannte lange Zeit dem ersten Torerfolg hinterher. Dass es nicht schon in der ersten Halbzeit klappte, lag auch am Schiedsricher. Nikolaj Hänni ahndete ein Handspiel im Strafraum von Mario Bühler kurz vor der Pause nicht. Und auch Chadrac Akolo hätte die Sittener in der 29. Minute mit seinem Kopfball in Führung bringen können.

Bia bringt Ruhe in den Verein

Nach dem Seitenwechsel agierte der FC Sion die nötige Spur zielstrebiger. Er griff noch konsequenter an und machte so lange Druck, bis der Ball ein erstes Mal im Vaduzer Netz zappelte. Das Vaduzer Pech dabei: Das war schon in der 58. Minute der Fall und damit früh in der zweiten Halbzeit. Aussenverteidgier Nicolas Hasler, von Akolo bedrängt, versorgte den Ball im eigenen Tor zum 1:1. Nur wenige Sekunden später überwand Akolo Keeper Benjamin Siegrist mit einem Abstauber zum 2:1. Die offiziell 7000 Zuschauer im Tourbillon wurden Zeugen verrückter Szenen: Vaduz brach innert zwei Minuten komplett ein, bäumte sich mit dem Kopfballtreffer von Avdijaj kurzzeitig wieder auf, um weitere fünf Minuten später schon wieder in Rückstand zu geraten. Durchsetzen sollte sich am Ende jenes Team, das mehr fürs Spiel tat – und auch mehr individuelle Klasse besass. Mit Geoffrey Bia, dem früheren belgischen Internationalen, brachte den FC Sion nämlich ein eingewechselter Spieler zurück auf die Siegerstrasse. Bia stellte seine Qualitäten mit zwei kaltschnäuzigen Abschlüssen eindrücklich unter Beweis (70./78.). Seine Treffer schalteten den FC Vaduz ein für alle mal aus – zu einer erneuten Reaktion war die Elf von Contini auf dem Sittener Ackerrasen nicht mehr fähig. Sion verwaltete die Führung souverän bis zum Schluss und brachte damit wieder etwas Ruhe ins Umfeld. Präsident Constantin bekam den von ihm lautstark geforderten Heimsieg.

Zuletzt 2:18 Tore auf fremden Terrain

Der FCV trat in der Offensive zwar frech auf und schaffte es, die beabsichtigten Nadelstiche zu setzen, er wies aber in der Defensive erneut Mängel auf. Die Vaduzer Torstatistik bei Auswärtsspielen ist haarsträubend. In den letzten vier Partien auf fremden Terrain kassierte der FCV ganze 18 Gegentreffer. Demgegenüber stehen lediglich die zwei gestrigen Tore in Sion. Über die gesamte bisherige Saison gesehen, erhalten die Residenzler pro Auswärtsspiel im Schnitt fast drei Gegentore (2,9).
Für den FC Vaduz Version 2017 spricht hingegen, dass er sowohl gegen St. Gallen (1:1) als auch in Sion phasenweise ordentliche Spielzüge zeigte und in kämpferischer Hinsicht zu überzeugen vermochte. Wie viel das wert ist, wird sich nun in den kommenden zwei Partien zeigen. Die Gegner heissen dann Lugano und Thun. Im Kampf um den Klassenerhalt wird der FCV gegen diese Direktkonkurrenten unbedingt Punkte brauchen.
Bis dahin bleiben die Liechtensteiner auf dem letzten Platz der Tabelle. Da Lugano, mit Torschütze Armando Sadiku, gegen GC zu einem 3:0-Heimerfolg kam, beträgt der Rückstand auf den rettenden neunten Platz nun zwei Zähler. Der FCV steht vor den mitunter wegweisenden Partien gegen die direkte Konkurrenz unter Zugzwang. Status quo also in Vaduz.


Philipp Kolb / Liechtensteiner Vaterland

Vaduz bricht nach einer Stunde ein

Enttäuscht Nach einem vielversprechenden Start und einer 0:1-Führung zur Pause durch Costanzo verliert der FC Vaduz im Sittener Tourbillon klar mit 4:2. Die Konzentration und die Kräfte liessen nach rund 60 Minuten nach. Den zweiten FCV-Treffer erzielte Avdijaj.

In Sion kam der 4:2-Heimsieg sehr gelegen. Zuvor hatten die Walliser vier Spiele hintereinander nicht mehr gewinnen können. Dementsprechend nervös war auch Sion-Präsident Constantin. Er gesellte sich in der ersten Halbzeit zu seinen Spielern. In diesen ersten 45 Minuten wirkten die Sittener nervös, unsicher und dementsprechend brachten sie auf dem Platz auch wenig zustande. Ganz zum Ärger von Constantin, der sich demonstrativ neben der Ersatzbank aufstellte.

Costanzo bringt Vaduz in Führung

Im Vergleich zum St. Gallen-Spiel musste Vaduz-Trainer Contini eine Position verändern. Burgmeier fehlte angeschlagen- für ihn kam Schürpf zum Handkuss. Sion gehörten im Spiel die ersten Chancen, die aber noch nicht zwingend waren. Vaduz stand in der Abwehr stark organisiert und liess wenig zu. Ruhig warteten die Liechtensteiner auf ihren ersten möglichen Konter, den sie nach rund 20 Minuten starten konnten. Costanzo und Kukuruzovic tankten sich dabei durch, das finale Zuspiel zu Schürpf in der Mitte konnte dieser aber nicht in ein Tor ummünzen. So war auch die erste Vaduzer Möglichkeit im Spiel nicht wirklich gefährlich. Gefährlicher wurde es, als Konate nach einer knappen halben Stunde Bühler schwindlig tänzelte und dann zu Akolo passen konnte. Dieser zirkelte den Ball mit dem Kopf knapp am Tor vorbei. Ein Weckruf ? Man könnte es meinen, denn vier Mi- nuten später fiel der erste Treffer der Partie: Albion Avdijaj liess dabei seinem Mitspieler Costanzo mit einem feinen Hackenzuspiel den Vortritt. Costanzo, der bereits gegen St. Gallen traf, liess sich nicht zweimal bitten. Eiskalt schoss er seinen sechsten Saisontreffer in die linke untere Torecke.

Vaduz übersteht in Sion ziemlich genau eine Stunde

Nach der Vaduzer Führung wurde es ruppiger auf dem Platz. Schiedsrichter Nikolaj Hänni musste einige Gelbe Karten verteilen. Bis zur Pause beruhigten sich die Spieler auch nicht mehr. Sion wurde zusehends nervöser und Vaduz reagierte auf versteckte Fouls mit hartem Einsteigen. Nach der Pause ging es im gleichen Stil weiter. Es roch nach einer Überraschung und drei Punkten für Vaduz, doch ziemlich genau nach einer Stunde war auf Liechtensteiner Seite der Ofen aus. Nicolas Hasler glich in der 58. Minute für den FC Sion mit einem Eigentor aus. Er wurde dabei von Akolo bedrängt, der nur zwei Minuten später gar auf 2:1 erhöhte. Positiv war nun, dass der FC Vaduz reagierte. Man zeigte Moral und konnte wiederum nur fünf Minuten später ausgleichen. Kukuruzovic zirkelte einen Freistoss millimetergenau in Richtung Avdijaj. Der stieg höher als die Verteidiger, die ihn bewachen sollten, und köpfte über Sion-Torhüter Mitryushkin zum Ausgleich ein. Lange konnten sich die Vaduzer darüber aber nicht freuen. Sion war mittlerweile in Spiellaune und Trainer Peter Zeidler bewies mit dem nächsten Wechsel ein Goldhändchen. Er brachte Geoffrey Bia. Mit seiner ersten Aktion brachte dieser die Walliser wieder in Führung (70.). Doch Bia hatte noch nicht genug. Er bedankte sich bei seinem Trainer für die Einwechslung, indem er in der 79. Minute nach einem herrlichen Solo gleich noch einen Treffer markierte. Das war zugleich das Schlussresultat und nach diesem erneuten Doppelpack konnte Vaduz nicht mehr reagieren. Sion hatte dafür noch weitere Möglichkeiten.

Contini: «Die Ersatzbank Sions entschied das Spiel»

Vaduz-Trainer Giorgio Contini sprach von einer sehr guten ers- ten Halbzeit. «Wir standen gut und haben wenig zugelassen. Wir wussten: Wenn wir in Sion etwas mit nach Hause nehmen wollen, braucht es eine sehr grosse Laufbereitschaft und dazu viel Kampfgeist. Nach gut einer Stunde war die Konzentration dann kurz weg und wir erhielten einen Doppelpack», so Contini.

Für ihn ist klar, dass der FC Vaduz seine Punkte nicht im Tourbillon holen muss. «Das entscheidende im Spiel war die Ersatzbank von Sion. Von dort kam nach einer Stunde nochmals viel Qualität ins Spiel. Wir haben uns aber hier teuer verkauft und es werden andere Gegner kommen, die mehr in unserer Reichweite liegen als der FC Sion.

Sein Gegenüber, Sion-Trainer Peter Zeidler, war erleichert über den Sieg. «Der Gegner war sehr gut organisiert und sie konnten in der ersten Halbzeit einen Konter zum 0:1 verwerten. Im Normfall müsste die Partie zur Pause 0:0 stehen. Mit dem Rückstand wurde das ganze komplizierter für uns», so Zeidler, und weiter: «Aber wir mussten ruhig bleiben und auf unsere Chance warten. Das haben wir dann auch gemacht und schliesslich verdient gewonnen.»

      
 
 



FC Sion vs. FC Vaduz 4:2