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FC Vaduz vs. FC Lugano 1:1

Marco Pescio / Liechtensteiner Volksblatt:

Der FCV wird für einen vielzu zögerlichen Auftritt bestraft

Der FC Vaduz verpasst im wichtigen Heimspiel gegen den FC Lugano die angestrebten drei Punkte. Das Team von Giorgio Contini kommt nicht über ein 1:1 hinaus, weil es sich im Spielaufbau viel zu viele Fehler leistet – und nach etwas mehr als einer Stunde ausgerechnet vom Ex-Vaduzer Armando Sadiku mit dem Ausgleich bestraft wird.
Als schön durfte man an diesem prächtigen Sonntagnachmittag sehr wohl das Wetter bezeichnen, nicht aber das Geschehen, das sich im Vaduzer Rheinpark-Stadion abspielte. Das lag in erster Linie daran, dass sich beide Mannschaften im Spielaufbau enorm schwer taten. Die Startphase war geprägt von erschreckend vielen Fehlzuspielen – und das zog sich letztlich durch die ganze Partie. Bahnte sich mal eine vielversprechende Chance an, war der letzte Pass zu ungenau. Aus dem Spiel heraus sollte an diesem Tag nicht viel klappen. Bezeichnend dafür war, dass der FCV nach einer Standardsituation in Führung ging. Abwehrchef Simone Grippo verwertete mit seinem Kopfball einen gut getretenen Eckball von Moreno Costanzo. Das Tor war ein weiterer Beweis für die Effizienz, die der FCV in dieser Rückrunde an den Tag legt. Doch eben: Dafür tat er sich in diesem Spiel schwer mit dem Kreieren von klaren Torchancen. Und genau das wurde der Equipe von Giorgio Contini am Ende zum Verhängnis. Der Ausgleich von Armando Sadiku – natürlich von ihm – war die Strafe dafür, dass der FC Vaduz zuvor nicht das 2:0 erzielte hatte. Sein kurioses Brusttor in der 65. Minute, bei dessen Entstehung weder Goalie Benjamin Siegrist noch seine Vorderleute gut aussahen, war nach dem Spiel das grosse Ärgernis aufseiten der Vaduzer. Dass der ehemalige FCV-Stürmer nach einem Konter derart freistand, machte nach dem Spiel nicht nur Trainer Contini zu schaffen, sondern auch Verteidiger Grippo: «Dieses Gegentor nervt mich, da hätten wir viel besser verteidigen müssen.»

Kopfschütteln statt Jubel

Weil der FCV es nicht schaffte, in diesem wichtigen Heimspiel gegen Lugano mehr als ein 1:1 herauszuholen, bleibt er in der Tabelle weiterhin das Schlusslicht. Dass Aufsteiger Lausanne in Basel einen 3:1-Vorsprung hergab und am Ende noch 3:4 verlor, war für die Vaduzer nicht wirklich ein Trost. Nun beträgt der Rückstand auf den rettenden neunten Platz einen Punkt – dies vor dem ebenso wichtigen Gastspiel in Thun vom nächsten Samstag (17.45 Uhr). Den Vaduzer Spielern war nach dem Spiel die Enttäuschung deutlich anzusehen. Ja, erhofft hatten sie sich aus diesem Spiel mehr. Viel mehr. Die Möglichkeiten dafür wären durchaus vorhanden gewesen. Insbesondere in der Startphase der zweiten Halbzeit hätte der FCV das 2:0 erzielen können, oder müssen, wenn er denn cleverer und präziser gespielt hätte. Der später ausgewechselte, weil glücklose Gonzalo Zarate brauchte vor dem Tor jeweils zu lange, ehe er sich entschieden hatte, was er mit dem Ball anstellen wollte. Albion Avdijajs grösste Möglichkeit war jene, als er im Fallen den Ball anfangs geschickt mitnahm, ihn dann aber doch wieder verlor (54.). Und Pascal Schürpf schien fast ein wenig überrascht, als er in der 55. Minute völlig freistehend zum Abschluss kam, aber nur einen harmlosen Flachschuss auf Goalie Francesco Russo zustande brachte. Sinnbildlich jedoch war jener Angriff, als gleich vier Vaduzer aufs Tor der Luganesi zuliefen, aber nur mit Glück ein Corner dabei herausschaute (62.). Der FC Vaduz schaffte es nicht, aus den sich bietenden Räumen Profit zu schlagen. Er verlor den Ball jeweils viel zu leichtfertig oder agierte viel zu zögerlich. Statt dem grossen Jubel auf der Tribüne, wie es beim letzten Heimspiel gegen Lugano der Fall gewesen war (5:1), war die Reaktion der Zuschauer oft nur ein Kopfschütteln. Dass dann irgendwann der Ausgleich fiel, schien irgendwie klar. Denn die Luganesi konnten immerhin noch auf Spieler wie Ezgjan Alioski, Davide Mariani oder Sadiku zählen, die für ein Tor nicht allzu viele Chancen brauchen – auch wenn die annschaftsleistung mal bescheiden ist. Mariani war kurz vor der Pause mit einem Lattenkopfball bereits sehr nahe am Ausgleich, nachdem Siegrist eine Hereingabe falsch eingeschätzt hatte (43.). Alioski traf Sekunden später nur das Aussennetz.

Sadiku: Torriecher und Fan-Geschenk

Effizienter war Sadiku, der seine einzige Chance zum 1:1 verwertete. Er stellte einmal mehr seinen Torinstinkt unter Beweis und enttäuschte damit die Vaduzer Fans, die ihn im Winter doch so gerne wieder zum FCV hätten wechseln sehen. Doch immerhin: Ein FCV-Balljunge ging am Ende doch noch glücklich nach Hause. Sadiku schenkte ihm nach der Partie sein Trikot. Allerdings musste der kleine Fussballfan ein wenig länger auf sein Geschenk warten, als er wohl angenommen hatte. Denn das Matchdress schien unmittelbar nach Sadikus Ankunft in der Kabine wie vom Erdboden verschluckt. Erst nach einer grossen Suchaktion aller Lugano-Materialwarte und einer kleinen Standpauke Sadikus wurde das Trikot wieder gefunden und dem Jungen schliesslich übergeben.
  
Ernst Hasler / Liechtensteiner Vaterland:

Das fast logische Unentschieden

Vaduz und Lugano trennen sich in einem Kampfspiel 1:1 (1:0) remis. Grippo per Kopf (35.) und der Ex-Vaduzer Sadiku mittels Brust trafen (65.). «Verlieren verboten» hatten sich die Teams auf die Fahne geschrieben.

Es war wie so oft im Duell gegen die Tessiner: Die Vaduzer agierten unbequem und eine Standardsituation trug dem FCV den Vorteil und die Halbzeitführung ein. Die kämpferischen Tugenden am gestrigen Tag passten, doch spielerisch blieb vieles im Argen; die Fehlerquote war schlichtweg zu hoch und bezeichnenderweise kassierte der FCV den Ausgleich nach einem unnötigen Konter, somit kam es zum fast logischen Remis.

Trotz der Führung blieb die Hektik im Spiel

Mit möglichst wenig Risiko gingen die beiden Teams, die zwar aggressiv zur Sache gingen, in das Abstiegsduell, doch die fussballerische Qualität blieb lange Zeit dünn. Es war klar zu sehen, dass der FCV nach Ballgewinnen möglichst rasch mit einem langen Ball in die Tiefe in die gefährliche Zone gelangen wollte. Dennoch fiel vor dem Pausentee die sehr wichtige 1:0-Führung: Den ersten FCV-Eckball zirkelte Costanzo aufs vordere Fünfereck, wo Grippo den Ball per Kopf ins lange Eck ablenkte; Torhüter Russo griff daneben (1:0).

Zuvor trug sich wenig zu. Avdijaj verpasste nach 57 Sekunden die Führung, kam aber einen Tick zu spät (1.), Muntwilers Volley verpasste das Tor deutlich (3.) und Zarate hätte solo Richtung Gästekeeper laufen können, verlor den Mut und suchte den Abschluss auf seinem vermeintlich stärkeren linken Fuss, doch der Ball landete auf der Tribüne (17.). Muntwiler besass nach dem Führungstreffer eine gute Chance, entschied sich ebenfalls für den falschen Schuss und verfehlte deutlich (39.). Lugano war ebenfalls präsent, doch jene Schüsse fielen oft zentral aus: Torhüter Siegrist hielt jene von Alioski (6./31.) problemlos; als der Mazedonier von der Seite vorstiess, landete der Ball im Seitennetz (45.). Einmal musste der FCV das Glück beanspruchen, als Siegrist bei einem Flankenball danebengriff, Mariani den Ball per Kopf an die Torlatte setzte, doch Bühler bereinigte letztlich (43.). Schliesslich passte das Halbzeitresultat für den FCV, der Luft nach oben besass.

Aus einem Konter kassierte der FCV den Ausgleich

In der zweiten Halbzeit blieb der FCV seinem Konzept treu, arbeitete vor allem defensiv, wagte sich aber auch nach vorne. Schürf be- sass die Chance zum 2:0, doch sein Flachschuss aus zehn Metern landete in den Armen von Russo (55.). Zarate hätte ein Idealzuspiel von Costanzo wohl besser direkt abgezogen, statt den Ball anzunehmen (51.).

Stattdessen fiel aus einem Konter der Ausgleich: Kukuruzovic unterliefen innert sechs Sekunden zwei Abspielfehler, der zweite mit fatalen Folgen, denn aus dem Konter kam der Ball zum Israeli Mizrachi, dessen Flanke von rechts beförderte Sadiku drei Meter vor dem Tor mit der Brust über die Torlinie (1:1); Torhüter Siegrist griff nicht ein. Auffallend auch, dass der FCV zwei Minuten zuvor von einer Vierer- auf eine Dreierkette umgestellt hatte. Nach dem 1:1 wurde zur Viererkette zurückgekehrt!

In der Folge lief hüben wie drüben nicht mehr vieles zusammen; es kam nur noch zu einem Grippo-Kopfball, doch der verfehlte das Ziel deutlich (90.). Beim FCV fehlte die spielerische Komponente, um Lugano in die Schranken zu weisen.

Das Remis der Tessiner war nicht gestohlen, die den Ball besser zirkulieren liessen. Marianis Schrägschuss zischte knapp in Behind (50.) und ein Alioski-Rück- zieher aus sechs Metern Entfernung hätte auch eine unliebsame Überraschung bringen können, doch der Ball landete auf der Tribüne (59.).



FC Vaduz vs. FC Lugano 1:1