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FC Vaduz vs. Grasshopper Club 0:0

Marco Pescio / Liechtensteiner Volksblatt:

Viel Schnee, aber keine Tore: Ein Punkt für die Vaduzer Moral

Der FC Vaduz und die Grasshoppers trennen sich im Rheinpark-Stadion bei starkem Schneetreiben torlos. Für den FCV ist es ein Punkt für die Moral, für GC ist es der erste auf fremdem Terrain. Am Ende zeigten sich beide Teams zufrieden, weil sie wussten, dass die Partie auf beide Seiten hätte kippen können.

Zu reden gab gestern Nachmittag im Rheinpark-Stadion als Erstes ein nicht von allen erwarteter Gast: Der Schnee. Das frohe Flocken setzte rechtzeitig vor Anpfiff ein und wurde im Verlauf der Partie immer stärker – bis sich der Schiedsrichter gezwungen sah, den weissen Ball in einen neongelben umzutauschen. Gespielt war zu diesem Zeitpunkt rund eine Stunde – und was den 22 Spielern auf dem leicht schneebedeckten Feld zuvor nicht gelang, sollte ihnen auch mit dem neuen, auffälligeren Leder nicht gelingen: Ein Tor gab es bis zum Schluss keines. Dabei sahen die offiziell 4085 Zuschauer, anwesend waren wohl bedeutend weniger, eine trotz garstiger Bedingungen sehr muntere und unterhaltsame Partie – mit Chancen hüben wie drüben.
In der Schlussphase hatten beide Equipen gute Möglichkeiten, die Partie für sich zu entscheiden. Das Spiel stand «auf Messers Schneide», wie FCV-Trainer Giorgio Contini danach richtig festhielt. Zu dieser Aussage bewogen ihn vor allem die Topchancen der finalen Minuten, als etwa Caio in der 93. Minute völlig freistehend und aus kurzer Distanz zum Abschluss kam, jedoch am gut reagierenden Benjamin Siegrist scheiterte. Er hatte den allerletzten Matchball vergeben.

Costanzos Match-(Kopf-)Ball

Zuvor hätte auch schon ein Kopfball von Moreno Costanzo zu einem Matchball werden können: In der 85. Minute köpfelte er das Spielgerät aus bester Position gefühlte zwei Zentimeter am linken Pfosten vorbei – das war zumindest der Eindruck, den die Zuschauer von der Tribüne aus erhielten. Der FC Vaduz hätte damit die Partie auf einen Schlag für sich entscheiden können, obwohl in der zweiten Halbzeit die Grasshoppers mehr am Drücker waren.
Runar Mar Sigurjonsson hatte in der 58. Minute das Kunststück fertig gebracht, erst aus zwei Metern und im zweiten Versuch aus rund einem halben Meter nur den Pfosten zu treffen. Siegrist und seine Abwehrmänner wären geschlagen gewesen, der Isländer hätte den Ball nur noch über die Linie drücken müssen, doch der fünffache Saisontorschütze zeigte sich für einmal nicht kaltblütig. Auch zwei Minuten später nicht, als er mit einem gefährlichen Schuss an Siegrist scheiterte. Der FCV hätte sich nicht beklagen dürfen, wenn er in der zweiten Halbzeit in Rückstand geraten wäre. Doch dasselbe galt auch für die Gäste aus Niederhasli. Neben Costanzos Top-Chance gegen Ende der Partie war da auch noch ein Abschluss von Albion Avdijaj in der 63. Minute, aus dem der albanische Stürmer durchaus mehr hätte machen können. Doch auch er fand seinen Meister im gegnerischen Torhüter, in Vaso Vasic. Auch in der ersten Halbzeit – in den besseren 45 Minuten von Vaduz – wären erstklassige Chancen vorhanden gewesen, um in Führung zu gehen. Der nach seiner Verletzung zurückgekehrte Franz Burgmeier hob den Ball in der 17. Minute auf die Querlatte. Und auch Moreno Costanzo traf sechs Zeigerumdrehungen später nur das Aluminium, als sein gefühlvoller Schuss am linken Pfosten landete. Avdijaj versenkte danach den Abpraller im Tor, durfte aber nicht jubeln, weil Schiedsrichter Sébastien Pache auf Abseits entschied.

Weiterhin Tabellenletzter

Der FC Vaduz schaffte es, im Vergleich zu den Partien gegen Thun (2:3) und YB (0:5) eine deutliche Leistungssteigerung zu zeigen. Er trat kämpferisch, mutig und frech auf – also mit jenen Tugenden, für die er eigentlich bekannt ist. Doch eines schaffte der FCV nicht: Er verpasste den angestrebten Befreiungsschlag – und so bleibt die Rote Laterne weiterhin in Vaduz. Da dem FC St. Gallen ebendieser Befreiungsschlag gelang, mit einem 3:2 in Lugano, beträgt der Rückstand der Liechtensteiner auf die Espen nunmehr zwei Punkte. Eng bleibt es in der Tabelle dennoch weiterhin. Der Abstand von Schlusslicht Vaduz auf den fünftplatzierten Aufsteiger Lausanne beläuft sich auf gerade einmal fünf Zähler. Für GC endete in Vaduz zudem eine unglaubliche Serie – im achten Anlauf in dieser Saison sicherte sich der Rekordmeister zum ersten Mal einen Punkt in einem fremden Stadion.

 

 

Ernst Hasler / Liechtensteiner Vaterland:

Eine Nullnummer der besseren Art

Nach den zuletzt mässigen Leistungen in der Super League zeigte der FC Vaduz gegen Rekordmeister Grasshoppers eine klare Leistungssteigerung. Trotz Abnützungskampf trennten sich Vaduz und GC torlos 0:0.

Da etwas Schnee auf dem Platz lag, waren die quirligen Spieler im Vorteil. Der FCV tat sich lange Zeit etwas leichter mit der glitschigen Unterlage, konnte aber bis zur Halbzeit das Chancenplus nicht in Tore ummünzen. Nach dem Seitenwechsel blieb die Partie animiert, das Spiel hätte auf beide Seiten kippen können,weshalb das Remis als gerecht bezeichnet werden darf. Es war eine Nullnummer der besseren Art.

Zwei FCV-Aluminiumtreffer in der ersten Halbzeit

Der FC Vaduz ergriff im Abstiegsduell von Anbeginn die Initiative, agierte zielstrebig, presste hoch und erspielte sich ein deutliches Chancenplus. Burgmeier hatte Pech mit seinem Heber, der an der oberen Querlatte landete (17.). Auch Costanzos Schlenzer landete am Pfosten, den Abstauber drückte Avdijaj aus Abseitsposition (?) über die Torlinie (23.). Der Albaner stand einen Meter im Abseits. Burgmeier war vor allem in den ersten 30 Minuten die auffälligste Offensivkraft. Als er geschickt in die Tiefe lanciert wurde, warf sich ihm Gästekeeper Vasic entgegen und klärte (19.). Avdijaj zeigte auch verbesserte Ansätze. In der Startphase verpasste er eine Costanzo-Flanke (8.) und Kukuruzovic konnte kein Kapital aus einem missglückten Vasic-Pass ziehen, der den Schrägschuss bändigte (11.).

In der Startphase war GC mit viel Laufarbeit beschäftigt. Ein Caio-Kopfball klärte Siegrist (2.) und ein Andersen-Volley landete weit neben dem Kasten (15.). Erstmals gefährlich wurde es, als Siegrist eine Lavanchy-Flanke aus der Gefahrenzone boxte (15.). Erst nach 25 Minuten konnten sich die Zürcher besser aus der Abwehr lösen, als beim FCV der Kräfteverschleiss auf dem tiefen Boden erste Wirkung zeigte. Eine Andersen-Flanke verpasste Mann und Maus (24.), Munsy verzog seinen Schrägschuss (28.) und einen Caio-Knaller aus 30 Metern lenkte der FCV-Keeper zur Ecke (44.). Das Nachlassen der Residenzler konnte GC nicht nutzen.

Offener Schlagabtausch nach dem Tee

In der zweiten Halbzeit besass der FCV die nächste Torchance, doch Costanzo wurde geblockt (53.). Es entwickelte sich in der Folge ein offener Schlagabtausch. Danach war die Reihe an Sigurjonsson, dem Doppeltorschützen bei der 2:1-Niederlage des FCV im Letzigrund: Er traf aus drei Metern nur den Pfosten (58.) und seinen tückischen Aufsetzer lenkte Siegrist zur Ecke (60.). Es war eine Phase, in der GC zwingender war: Pnishi köpfelte daneben (77.). Im Finish hätte die Partie auf beide Seiten kippen können. Costanzo köpfelte frei stehend aus sechs Metern neben das Tor (85.) und auf der Gegenseite zielte Caio zu hoch (91.) und scheiterte am starken Siegrist (93.). Dazwischen hatte Schürpf seinen Schrägschuss verzogen (92.). Ein klares Handsvergehen von Källström im Strafraum übersah Ref Pache grosszügig (87.). FCV-Trainer Giorgio Contini relativierte und verwies auf eine Szene zwischen Hasler und Andersen (89.): «Der Ref hätte auf beide Seiten kleinlich pfeiffen können. Es war nicht nötig, einen Penalty zu geben. Deshalb gibt es keinen Grund, die Sache zu thematisieren.» Der FCV zeigte eine deutliche Leistungsteigerung gegenüber den dürftigen Auftritten gegen Thun und YB. Doch für einmal ist das engagierte Spiel nicht belohnt worden.




FC Vaduz vs. Grasshopper Club 0:0