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Medienspiegel: FC Lugano vs. FC Vaduz 2:1

Florian Hepberger / Liechtensteiner Volksblatt:

Nach 1:2 in Lugano: Der FC Vaduz sagt der Super League leise «Ciao»

Der FC Vaduz ist so gut wie abgestiegen. Die Liechtensteiner können Direktkonkurrent Lausanne nur noch theoretisch einholen. Die Niederlage im Südtessin war eine zu viel.

Samstagabend, 21.50 Uhr im Stadio Cornaredo in Lugano: Schiedsrichter Nikolaj Hänni beendet das drittletzte Saisonspiel und damit auch die dreijährige Zugehörigkeit des FC Vaduz in der Super League. Die Residenzler müssen in dieser Situation zur Kenntnis nehmen, dass nach der 1:2-Niederlage im Südtessin praktisch keine Chancen mehr auf den Klassenerhalt bestehen. Die Akteure sitzen auf dem Rasen und haben Tränen in den Augen. Sie bekommen Trost vom FC Lugano, der mit dem Sieg selbst etwas Historisches schafft: Zum ersten Mal seit 15 Jahren spielen die Südtessiner nächste Saison wieder in einem internationalen Bewerb mit.

Leere und Enttäuschung bei Spielern

Des einen Freud ist des anderen Leid: Drei Jahre am Stück hat der FC Vaduz in der höchsten Schweizer Fussballmeisterschaft mitgespielt, nun endet, zum zweiten Mal nach 2009, die Zugehörigkeit in der obersten Liga. Nach dem neunten Rang in der Saison 2014/2015 gab es im Jahr darauf den achten Rang. In dieser Saison ist es der zehnte Rang, den der FC Vaduz am Saisonende belegen wird. Zwar beträgt der Rückstand auf den Vorletzten Lausanne zwei Spiele vor Saisonende noch einholbare sechs Punkte, allerdings müssten die Liechtensteiner ein um 23 Tore schlechteres Torverhältnis wettmachen.
Eine Situation die auch aufseiten des FC Vaduz als nicht mehr realistisch betrachtet wird. «Es ist eine grosse Enttäuschung für uns. Ich spüre eine gewisse Leere in mir. Es tut mir einfach leid für die Fans, die Mannschaft, den Staff und auch für alle anderen Personen, die immer wieder versucht haben, uns zu unterstützen», führte Captain Simone Grippo kurz nach dem Spiel aus. «Es tut sehr weh», gab auch Stjepan Kukuruzovic einen Einblick in seine Gefühlswelt nach dem bitteren Ende. «Ich hatte das Gefühl, dass wir uns in den letzten Wochen nochmals aufgeopfert haben und auch gezeigt haben, dass wir in die Super League gehören. Es haben in gewissen Spielen, auch heute, die kleinen Details gefehlt», erklärte Kukuruzovic nach dem Schlusspfiff weiter.

Zu viele Fehler in dieser Saison

Ähnliche Gedanken hatte auch Peter Jehle, der aufgrund seiner Verletzung zum Zuschauen verdammt war und selbst nicht mithelfen konnte: «Viele Gedanken hat man in so einem Moment nicht. Man ist enttäuscht, leer. Man versteht, dass man weiss, dass man nächste Saison nicht mehr in der Super League spielt. Aber man kann es noch nicht wirklich begreifen.»
Dennoch habe das Team bis zuletzt dafür gekämpft, das Saisonziel Klassenerhalt zu schaffen: «Als Sportler kämpft man bis zum Schluss und glaubt bis zum Ende daran, dass man es noch schaffen kann. Jetzt wissen wir, dass es nicht mehr realistisch ist und das ist eine grosse Enttäuschung für uns alle.» Und auch Franz Burgmeier, der verletzungsbedingt auf der Tribüne Platz nehmen musste schlug in dieselbe Kerbe ein: «Es ist schon bitter, wenn man nur von aussen zuschauen kann und der Mannschaft nicht helfen kann. Es ist jetzt eine bittere Enttäuschung. Ich glaube auch, dass die Mannschaft heute vor allem in der zweiten Halbzeit alles versucht hat, doch am Ende hat es nicht gereicht. Wir haben über die gesamte Saison hinweg gesehen, dass wir zu viele Fehler gemacht haben und in vielen Spielen wichtige Punkte liegen gelassen haben.»

«Angespannt und blockiert»

Den ersten Rückschlag mussten die Vaduzer bereits in der ersten Halbzeit hinnehmen: Nach dem Führungstreffer der Luganesi durch den Ex-Vaduzer Armando Sadiku wusste man, dass man offensiv besser agieren musste. Doch vor der Pause kam vom FC Vaduz nicht sehr viel in diese Richtung. «In der ersten Halbzeit kam zu wenig von uns. Wir hatten sicher keine einfachen Bedingungen, auch mit dem starken Gegenwind. Aber wir haben auch sehr einfache Fehler gemacht», blickte Simone Grippo nochmals auf das entscheidende Spiel zurück. Nach dem 0:2 in der 81. Minute waren dann die Hoffnungen nur noch sehr gering. Zuvor hat der FC Vaduz besser ins Spiel gefunden und auch in der Offensive mehr gezeigt. Doch auch die gute Defensive der Südtessiner verhinderte den zwischenzeitlichen Vaduzer Ausgleich. Das letzte Aufbäumen der Residenzler kam dann zu spät. Erst in der 92. Minute gelang durch den in der zweiten Halbzeit offensiv sehr auffälligen Aussenverteidiger Axel Borgmann noch der Anschlusstreffer. Da dieser praktisch mit dem Schlusspfiff fiel, brachte auch der nichts mehr ein.
Aus Sicht von Trainer Roland Vrabec war der Druck am Ende wohl doch etwas zu gross: «Ich denke, dass die Spieler sehr angespannt und blockiert waren. Man hat dies auch in der ersten Halbzeit gemerkt, da haben wir sehr wenig auf die Reihen bekommen. In der zweiten Hälfte war es besser, aber es hat am Ende halt nicht gereicht.» Vrabec, der am 22. März den FC Vaduz auf dem letzten Rang übernommen hatte, konnte diesen trotz zwischenzeitlicher guter Leistungen nicht mehr vom Abstiegsplatz wegbringen: «Natürlich, es ist einer der bittersten Momente in meiner Karriere. Abzusteigen ist ganz, ganz bitter für jeden und auch für mich. Es ist einfach die Enttäuschung. Wir sind auch traurig, dass es passiert ist, vor allem weil wir es in den letzten Wochen auch hätten verhindern können. Wir haben viele Punkte verschenkt, jetzt ist es Fakt und dem müssen wir uns nun stellen», blickte er kurz nach Spielende auch bereits ein wenig in die Zukunft.

Zukunft vielfach noch offen

In den nächsten Tagen und Wochen wird es vor allem auch darum gehen, ein gutes Kader für die kommende Saison auf die Beine zu stellen. Denn auch wenn die meisten Verträge auch Gültigkeit für die Challenge League hätten, so werden gewisse Spieler auf dem Markt begehrt sein. Wie sehr dieses Kader verändert wird, wird erst die nahe Zukunft zeigen. Stjepan Kukuruzovic könnte einer jener sein, die das Team verlassen: «Es ist sehr schwierig, zu sagen, ob ich nächste Saison noch beim FC Vaduz spiele. Das werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Es spielt jetzt auch keine Rolle, denn der FC Vaduz wird so oder so wieder in die Super League zurückkehren.» Die Frage ist nur, wie schnell das funktioniert.


Ernst Hasler / Liechtensteiner Vaterland:

Das war's - der FC Vaduz steigt ab

Der FC Vaduz verliert das knifflige Auswärtsspiel beim FC Lugano mit 2:1 (1:0)-Toren, kann rechnerisch noch zu Lausanne aufschliessen, das gegen Thun 0:0 gespielt hatte, doch das wesentlich bessere Torverhältnis aufweist.

0:0 gegen den FC Thun«nur»einen Punkt geholt und leicht vorgelegt, doch die Vorgabe lastete wie eine Zentnerlast auf dem FCV, der letztlich am eigenen Unvermögen scheiterte. Theoretisch kann der FCV rechnerisch mit den Romands gleichziehen, doch das Torverhältnis von 23 Minustoren ist nicht mehr wettzumachen, weshalb der FCV de facto abgestiegen ist. Sadiku (16.) und Mariani (81.) sowie Borgmann (92.) erzielten die Tore.

Ex-Vaduzer Sadiku leitete den FCV-Niedergang ein

Alles andere als verheissungsvoll stieg der FCV in das kapitale Spiel im Cornaredo: Eine Mihajlovic-Flanke köpfelte Sadiku völlig freistehend aus neun Metern ins linke untere Eck (1:0); Grippo hatte ihn aus den Augen verloren.

Der FCV kam - ähnlich wie in St. Gallen- zu Abschlüssen, doch fehlte einmal mehr die Präzision. Avdijaj verzog deutlich (7.), wie auch Borgmann (22.). Und als Avdijaj zwei Spieler düpierte, fehlte im Zentrum ein Abnehmer (31.). Einige individuelle Fehler eröffneten dem Gastgeber Konterchancen: Nach Zarate-Ballverlust verzog Alioski (5.) und ein Siegrist-Fehlpass blieb ohne Folgen (18.). Die Tessiner agierten zielstrebiger und suchten resolut den Abschluss, doch Crnigoj (2.) und Vecsei (18.) zielten zu hoch. Einen Alioski-Freistoss klärte Siegrist zur Seite (14.); das Glück beanspruchte er, als Alioski einen in die Tiefe gespielten Ball leicht ablenkte, doch der FCV-Keeper kam in grosser Not noch an das Leder (37.). Ein Vecsei-Fallrückzieher strich zudem haarscharf über die Querlatte (40.). Der FCV war im ersten Abschnitt nur vereinzelt etwas giftiger, wirkte gehemmt und deshalb doch sehr fehleranfällig im Spiel nach vorne. Lugano lag zur Halbzeit verdientermassen 1:0 vorne, weil dort im Angriff mehr als nur ein laues Lüftchen wehte. In der Halbzeit nahm FCVTrainer Vrabec zwei Wechsel vor und die wirkten sich positiv auf das Offensivspiel aus. Einerseits wurde die Fehlerquote abgebaut, andererseits in der Zielstrebigkeit zugelegt. Mit dem Mut der Verzweiflung kam mehr und der FCV vergab viele Torchancen, die dem Gastgeber aber auch Konterchancen eröffneten. Der FCV rannte an, stattdessen erhöhte Lugano das Skore: Nachdem Junior an Siegrist gescheitert war, klärte Ciccone nur ungenügend. Vescei bediente Mariani, der Siegrist von halbrechter Position bezwang (2:0).

Der FCV Vaduz vergibt viele Chancen

Zuvor hatte der FCV aus guten Chancen keinKapital geschlagen. Bühler köpfelte retour statt quer vors Tor (50.), ein Kukuruzovic-Freistoss zischte knapp über die Latte (52.), Grippo köpfelte übers Tor (53.), Janjatovics Knaller war etwas zu hoch angelegt (56.) und Borgmann hatte den Ausgleich auf dem Fuss, doch Torhüter Salvi klärte stark (58.). Janjatovic nutzte ein Salvi-Geschenk nicht (65.), Mathys köpfelte zu zentral (73.) und Turkes verfehlte per Kopf (88.). Borgmann verkürzte im Fi- nish, nachdem er ein Grippo-Zuspiel übernommen hatte (2:1), doch eine Minute später war das FCV-Schicksal faktisch klar: Trotz der FCV-Offensive waren die Tessiner oft gefährlich vor Siegrist aufgetaucht. Vecsei verzog (46.), Marianis Drehschuss landete im Nachhimmel (48.), einen Sadiku-Knaller klärte Siegrist nach vorne (54.), einen Sadiku-Freistoss wie auch Mariani-Nachschuss bereinigte Siegrist (72.) stark und Rouiller köpfelte den Ball neben den Kasten (87.). Die Planung für die Challenge League kann fortgesetzt werden.



Medienspiegel: FC Lugano vs. FC Vaduz 2:1